Schimpf und Schande im Nobelpreis-Hinterzimmer

"Die Frau des Nobelpreisträgers" begeistert in erster Linie mit einem fantastischen Hauptdarsteller-Duo.
Die Castlemans sind ein eingespieltes Team. Er der geniale, nicht immer pflegeleichte Schriftsteller, sie die Stimme der Vernunft, die ihm einflüstert, sich die Brösel aus dem Bart zu pulen und seine Blutdruckmedikamente zu schlucken. Vielleicht ist Joe (Jonathan Pryce) etwas zu oft um die Aufmerksamkeit junger Frauen bemüht, vielleicht ist Joan (Glenn Close) etwas zu streng, wenn sie ihrem Mann die Süßigkeiten verbietet. Die beiden halten trotzdem zusammen wie Pech und Schwefel.

Der Trailer von "Die Frau des Nobelpreisträgers":



Die Frau des Nobelpreisträgers
Die Frau des Nobelpreisträgers


CommentCreated with Sketch.0 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Wie Kinder hüpfen sie auf ihrem Bett herum, als Joe erfährt, dass er den Literatur-Nobelpreis bekommen soll. Joan steigt natürlich zuerst von der Matratze. Viel gibt es zu organisieren, viel vorzubereiten. In den nächsten Wochen braucht Joe eine Rundum-Betreuung. Und Joan muss die brave, umsichtige Ehefrau auch außerhalb ihrer eigenen vier Wände spielen.

Kein leichter Job, auch wenn Joe in der Öffentlichkeit immer wieder betont, er wäre ein Niemand ohne seine Gattin. Kein leichter Job, weil Joe sich damit nicht nur in Bescheidenheit übt. Er verdankt seinen Ruhm tatsächlich voll und ganz Joan. In Wahrheit hat sie all seine gefeierten Romane verfasst. Als ein Reporter (Christian Slater) hinter das Geheimnis kommt, beginnt die vermeintlich heile Welt der Castlemans zusammenzubrechen.

Tolle Schauspieler, wichtiges Thema



Es ist beeindruckend, Glenn Close und Jonathan Pryce bei der Arbeit zuzusehen. Er hätte sich eine Nominierung allemal verdient gehabt, sie gilt nicht umsonst als Oscar-Favoritin. Wie Close Joans verdrängte Emotionen unter einem gut gefälschten Lächeln und einer dicken Schicht Selbstverleugnung begräbt, wie diese Schicht langsam abgetragen wird und die Gefühle zu toben beginnen, das ist große Kunst.



Fesselnd auch das Thema des Films. "Die Frau des Nobelpreisträgers" spielt größtenteils im Jahr 1992, springt für mehrere Rückblicke aber ans Ende der Fünfziger. Dort lässt sich Joan von einer erfolglosen Schriftstellerin sagen, sie habe keine Chance, in der Männerwelt gelesen zu werden. Wer glaubt, das sei längst nicht mehr so, lese den Wiki-Eintrag von "Harry Potter"-Schöpferin J.K. Rowling. Ihr Verlag riet zum Gebrauch von Initialen, um Rowlings Geschlecht zu verschleiern. Burschen lesen angeblich nicht gerne Fantasy, die von Frauen stammt...

Fazit:



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"Die Frau des Nobelpreisträgers" (Originaltitel: "The Wife") startet am 8. Februar in den österreichischen Kinos.

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