Die ganze Aluminium-Deo-Panik war umsonst

"Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet", erklärt BfR-Präsident Andreas Hensel.
"Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet", erklärt BfR-Präsident Andreas Hensel.iStock
Deos mit Aluminumsalzen sind gesundheitsschädlich – darin waren sich Forscher weitgehend einig. Jedoch fehlten lange Zeit abschließende Analysen dazu.

Aluminiumhaltige Deos galten gemeinhin als schlecht: Sie könnten Krebs oder Demenz verursachen, hieß es jahrelang. Seither sind unzählige Anti-Transpirantien auf dem Markt, die meistens die Aufschrift "Null Prozent Aluminium" haben.

Doch laut einer aktuellen Studie des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist die Sorge, das Element sei krankheitserregend, weitgehend unbegründet. Wie es in einem Artikel von "Zeit Online" heißt, hat das BfR eine alte Stellungnahme, wonach das chemische Element schädlich ist, angepasst: "Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet", erklärt BfR-Präsident Andreas Hensel. Konkret: "Die Aluminiumaufnahme über Deos ist so gering, dass sie im Grundrauschen der alltäglichen Aufnahme über Luft und Nahrung untergeht", bestätigt der Nürnberger Arbeitsmediziner Hans Drexler in einem Artikel in der Fachzeitschrift "MedWatch".

Der Beitrag von Kosmetika bei der Aluminiumaufnahme von Menschen sei "sehr gering", die Aufnahme über andere Quellen wie Lebensmittel sei "im Vergleich deutlich höher", stellte das Expertengremium fest. Damit seien gesundheitliche Beeinträchtigung nach aktuellem Kenntnisstand unwahrscheinlich.

Die Branche will weiterhin Deos mit "Null Prozent Aluminium" bewerben.
Die Branche will weiterhin Deos mit "Null Prozent Aluminium" bewerben.iStock

Aluminium bleibt außerhalb des Körpers

Im Jahr 2014 hat der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) im Auftrag der EU-Kommission den Auftrag bekommen, die Sicherheit von Alu in Kosmetikprodukten neu zu bewerten. Da nicht genug Daten für eine aufschlussreiche Studie vorhanden waren, musste die Aufnahme von Aluminium durch die Haut weitergehend erforscht werden.

Im November 2019 hatte das BfR – obwohl die Analysen noch im Abschluss waren – eine erste Stellungnahme veröffentlicht. Darin hieß es noch, dass eine Reduzierung der Aluminiumaufnahme mögliche Gesundheitsrisiken minimieren könne. Einen Monat später veröffentlichte der Ausschuss eine weitere Stellungnahme: "Aluminiummessungen auf T-Shirts und auf für die Experimente verwendeter Ausrüstung stellen robuste Evidenz dafür dar, dass die große Mehrheit der angewandten Dosis außerhalb des Körpers bleibt."

Drogerien verkaufen weiterhin "Null Prozent"-Deos

Das Ergebnis der Studie sei zwar "für die gesamte Kosmetikindustrie relevant", meldet der Konzern Procter & Gamble, doch bei Verbrauchern bestünden immer noch Unklarheiten zum Unterschied zwischen Antitranspirantien und Deos. Aus diesem Grund werde das Unternehmen weiter Null-Prozent-Aluminium-Produkte anbieten.

Die deutsche Drogeriekette dm erklärte gleichfalls, an den Angaben festhalten zu wollen. Die Kundschaft sei an Inhaltsstoffen bei Deos interessiert und wünschte sich Produkte "ohne Aluminium", erklärte dm-Produktmanagerin Kerstin Erbe.

Ähnlich sieht es der Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel, bei dem insbesondere auf "Naturkosmetik" spezialisierte Firmen Mitglied sind. Trotz Entwarnung würden viele Verbraucher wohl weiterhin sicherheitshalber zum Deo mit "Null Prozent Aluminium" greifen.

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