Die Impfstoff-Entwicklung läuft auf Hochtouren

Obwohl die ersten Infektionen der WHO gerade mal an Silvester gemeldet wurden, gibt es drei Monate später bereits über 30 Impfstoffkandidaten.
Einen Impfstoff zu entwickeln, war früher eine äußerst langwierige Angelegenheit. Denn zunächst musste der Erreger isoliert, in großen Mengen produziert und danach abgetötet oder zumindest abgeschwächt werden. Im besten Fall dauerte allein das mehrere Monate.

Heute ist das – dank moderner Gentechnik – deutlich schneller möglich: Kaum hatten chinesische Wissenschaftler den Gencode des neuartigen Coronavirus Ende Januar 2020 geknackt, konnten Forscher weltweit mit der genetischen Information experimentieren und die Entwicklung eines Impfstoffes vorantreiben.



CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Nun, knappe zwei Monate später, gibt es bereits mehr als 30 relativ weit fortgeschrittene Impfprojekte. Deren Herangehensweisen lassen sich in hauptsächlich drei Gruppen einteilen:

1. Impfstoffe aus Vireneiweiß

Einige Forscherteams arbeiten an einem Impfstoff aus Vireneiweiß, bei dem das Protein – und nicht das ganze Virus –die Immunantwort auslöst. Für die Impfung gegen Covid-19 wird das Spike-Protein (siehe Box) in einer Zellkultur von Bakterien produziert und mit einem Wirkverstärker als Impfstoff verwendet. Nach einem solchen Prinzip funktionieren etwa die Tetanus-, die Hepatitis-B- oder die Grippeimpfung.

Diesen Weg haben unter anderem die US-Biotech-Firma Novavax und Forscher der University of Queensland in Brisbane eingeschlagen. Beide testen ihre Kandidaten aktuell an Labormäusen. Wenn alles glatt läuft, wollen die Australier ihren Impfstoff bereits im Juni menschlichen Probanden injizieren.

2. Impfstoffe mit Virus-Transport

Eine zweite Gruppe forscht zu Impfstoffen mit sogenannten Vektorviren. Das heißt: Sie pflanzen in das Erbgut harmloser Viren wie dem etablierten Impfvirus Vaccinia das Gen für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 ein. Sie verkleiden es gewissermaßen. Wird dieses dann als Impfstoff injiziert, reagiert das Immunsystem so, als ob es sich um das echte Coronavirus handeln würde und bildet Antikörper dagegen.

Diese Methode wird unter anderem von Wissenschaftlern der University of Oxford verfolgt. Diese kündigten unlängst an, bereits im April 2020 die ersten Tests an Menschen durchzuführen, noch bevor die obligatorischen Tierstudien abgeschlossen seien. Dies ist laut Theguardian.com deshalb möglich, weil ähnliche Impfstoffe in Versuchen für andere Krankheiten sicher funktioniert haben.

3. Impfstoffe aus Erbsubstanz

Der dritte Ansatz ist völlig neu. Dabei wird versucht, die Impfwirkung unter Verwendung von Erbsubstanz zu erzielen. Indem man eine genetische Bauanleitung für das S-Protein spritzt, soll das Immunsystem dazu gebracht werden, selbst Antikörper gegen Sars-CoV-2 aufzubauen. Konkret sollen Abschnitte der Virus-RNA (Ribonukleinsäure) in Muskelzellen injiziert werden, die daraufhin S-Proteine bilden und diese ins Blut abgeben. Obwohl der Körper das Eiweiß selbst bildet, nimmt es das Immunsystem als Fremdkörper wahr und bildet, so die Hoffnung der Wissenschaftler, die wichtigen Schutzstoffe.

Neben der privaten US-Biotech-Firma Moderna, die ihren potenziellen Impfstoff bereits ersten Freiwilligen spritzt, gehen auch die deutschen Unternehmen Curevac und Biontech diesen Weg. Während Curevac sogar die Aufmerksamkeit von US-Präsident Donald Trump erregt haben soll, plant Biontech, seinen Wirkstoff ab Ende April an Freiwilligen in Europa, den USA und China zu testen.

Wie erfolgreich sie sein werden, ist offen. Wie Spiegel.de schreibt, "hat diese Technologie in mehr als zwei Jahrzehnten Forschung noch keine einzige Marktzulassung eines Impfstoffs gegen ein Virus hervorgebracht."

Mehrere Impfstoffe, um Bedarf zu stillen

Daneben gibt es auch noch weitere Impfstoffansätze. Etwa den des Basler Forschers Peter Burkhard, der auf selbst zusammensetzende Protein-Nanopartikel (SAPN) setzt und dessen Entwicklung ebenfalls bereits an Tieren getestet wird.

Welcher Corona-Impfstoff am Ende den besten Schutz bieten wird, ist derzeit noch völlig offen. Wie Virologe Stephan Becker von der Universität Marburg zu Deutschlandfunk.de sagte, dürften angesichts des globalen Bedarfs sowieso mehrere Impfstoffe notwendig sein.

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