Die möglichen nächsten Facebook-Skandale

Facebook hat neue Produkte und Funktionen angekündigt, doch die Nutzer sind misstrauisch. Warum, das lesen Sie hier.

Die Wellen um den Datenskandal haben sich noch nicht gelegt, da kündigt Facebook schon eine ganze Reihe von neuen Features und Produkten an. Da dürfte man den Nutzern eine gesunde Portion Paranoia nicht übel nehmen.

Das sind die Befürchtungen, die die an der Entwicklerkonferenz F8 vorgestellten Produkte hervorrufen könnten. Jürg Kobel, Experte für Social Media von der Webagentur Comvation, gibt jeweils seine Einschätzung dazu.

• Facebook liest beim Flirten mit

An der F8 hieß es, auf der neuen, hauseigenen Dating-App soll weder Werbung gezeigt noch sollen Daten gesammelt werden. Das scheint aber ein großes Versprechen, wenn man bedenkt, dass CEO Zuckerberg gerade erst vor dem US-Kongress auf nachdrückliche Weise erklärt hat, dass Werbung das Gratis-Modell von Facebook finanziere. Manche Nutzer fürchten, dass Facebook irgendwann doch anfängt, das Flirt-Portal mit Werbung vollzupflastern – oder noch schlimmer: dass das Unternehmen seinen Werbekunden die Flirtgespräche der Nutzer zur Verfügung stellt.

Kobel: "Das Misstrauen der Nutzer ist verständlich. Facebook dürfte sehr vorsichtig sein, zu viel zu versprechen."

• "History Löschen" ist ein Feigenblatt

Die Funktion "History Löschen" soll Nutzern erlauben, gesammelte Informationen vom eigenen Account zu löschen. Doch scheinen nicht alle Daten betroffen zu sein. Bereits bei der Ankündigung hieß es, dass Facebook gewisse Informationen trotzdem noch mit Entwicklern teilen werde. Solange bezüglich der Wirkung von "History Löschen" keine absolute Transparenz herrscht, bleiben Nutzer misstrauisch.

Kobel: "Solange genau kommuniziert wird, was gelöscht wird, ist die Funktion eine gute Idee. Die Frage ist vor allem, ob Daten auch wirklich definitiv gelöscht werden oder weiterhin irgendwie abrufbar bleiben."

• Die Tore für Datensammler sind wieder offen

Der Review-Prozess für Facebook-Apps läuft wieder. Das heißt, neue Apps können wieder auf die Plattform gelangen. Theoretisch heißt dass, dass das nächste Cambridge Analytica bereits an einer Schnüffel-App arbeiten könnte. Cambridge Analytica hatte über ein Datenleck bei Facebook Informationen von bis zu 87 Millionen Usern abgegriffen. Zwar will Zuckerberg dafür sorgen, dass so ein Datenleck in Zukunft nie wieder entstehen kann – dem verunsicherten Nutzer kann der CEO aber keine Garantie bieten.

Kobel: "Ich glaube Zuckerberg schon, dass er alles versucht – aber 100-prozentige Sicherheit gibt es nie."

• Instagram schaut sich im Zimmer um

Jetzt bekommt auch die Facebook-Tochter Instagram ein Videochat-Feature. Was macht der Mutterkonzern mit den dadurch entstehenden Videodaten? Merkt sich das Unternehmen, von welcher Marke meine Brille oder der Rucksack in der Zimmerecke ist? Überraschen würde das wohl kaum jemanden, denn zu Werbezwecken dürfte sich das lohnen. Das wäre dann ein weiterer Schritt, mit dem Facebook den Nutzern indirekt die Kontrolle entzieht: Bei Videos ist es im Vergleich zu Fotos oft schwieriger, zu kontrollieren, was alles im bewegten Bild sichtbar ist.

Kobel: "Klar, Facebook kann in Bildern vieles erkennen. Bei Videos stellt sich aber vor allem die Frage, wie man die Daten von Personen schützt, die etwa im Hintergrund auftauchen und gar nicht wissen, dass sie gefilmt werden."

• Facebook Dating ist geklaut

Dass Dating-Apps einander ähnlich sehen, ist wohl kaum zu verhindern. Schon kurz nach der Präsentation des Prototyps von Facebook Dating kam allerdings der Verdacht auf, dass Facebook die App direkt von der App Hinge abgekupfert habe. Vom Aussehen über die Features bis zur Bedienung weist vieles darauf hin. Und überraschen würde es eigentlich auch nicht, nachdem Facebook vor zwei Jahren die Stories-Funktion von Snapchat mir-nichts-dir-nichts für Instagram kopiert hat.

Kobel: "Es ist gut möglich, dass Facebook erst mal bei der Konkurrenz abgeschaut hat. Das ist frech, aber der Konzern hat nun mal die Macht und die Anwälte, um so etwas zu tun."

• Übersetzung maskiert Werbung

Der Facebook Messenger soll neu Nachrichten übersetzen können. Dadurch könnte es merklich schwerer werden, einen Chatbot zu erkennen, der womöglich nur Werbung machen oder Daten sammeln will. Denn wenn man normalerweise mit einem Algorithmus spricht, kann man den künstlichen Gesprächspartner oft noch anhand der eingeschränkten Eloquenz entlarven. Wenn der Chatbot aber Russisch spricht und eine Übersetzung angezeigt wird, wird schnell unklar, ob die Sprachgewandtheit des Gegenübers wirklich so niedrig ist oder ob es einfach an der Übersetzung hapert.

Kobel: "Momentan werden die Möglichkeiten von Chatbots noch ein bisschen überschätzt. Und fragwürdige Übersetzungen würden eher dazu führen, dass die Kommunikation abbricht."

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