Die Toten Hosen: "Heute riechen wir besser!"

Bild: Label

Seine Passion ist der Punkrock, seine Vorbilder sind die Ärzte - allerdings nicht die mit Gitarre und Drums, sondern die ohne Grenzen. Nach 30 Jahren als "Tote Hose" erklärt Bassist Andi Meurer im großen "Heute"-Interview, warum sich sein Modegeschmack neutralisiert hat, wohin der altbekannte Weg führt und wofür er drei Kreuze macht.

Seine Passion ist der Punkrock, seine Vorbilder sind die Ärzte – allerdings nicht die mit Gitarre und Drums, sondern die ohne Grenzen. Nach 30 Jahren als "Tote Hose" erklärt Bassist Andi Meurer im großen Heute-Interview, warum sich sein Modegeschmack neutralisiert hat, wohin der altbekannte Weg führt und wofür er drei Kreuze macht.

"Heute": 150 Ideen waren fürs neue Album vorhanden …

Andi: "Die waren aber nicht alle gut. Es war ein Kampf. Die ersten Demo-Sessions waren fast alle Mist, wir hatten lange nichts, was auf die Platte drängte. Vielleicht war das aber ganz gut so."

Gut, kein Material zu haben?

"Ja, weil da wurden wir nervös und haben vielleicht auch mehr gekämpft. ,Ballast der Republik‘ z. B. war einer der letzten Songs, die wir aufgenommen haben."

Das Herzstück der CD hat einen ernsten Hintergrund. Und was ist mit dem Rest?   

"Der Mix ist gut, denk’ ich. Es gibt Neues, aber auch klassische Hosen-Lieder, was nicht so ganz einfach ist: Sie müssen eine Berechtigung  haben. Also mindestens gleich gut sein wie das, was wir schon gemacht haben."

Der Grat zwischen Marke und Betriebslindheit ist schmal und glitschig. Rutscht ihr nie aus?

"Keine Ahnung, das müssen die Fans beurteilen. Wir haben diesmal aber mit Menschen zusammengearbeitet, die einen anderen Blickwinkel haben. Das war hilfreich, aber komischerweise rieten genau sie uns dazu, unser typisches Hosen-Ding zu fahren."

Alles in allem finde ich den neuen Sound weicher, weiblicher.  Kannst du damit was anfangen?

"Mit weicher gar nicht, und  weiblicher kann ich nicht nachvollziehen. Aber wohl deshalb, weil ich ein Mann bin. Ich nehme das jetzt aber einfach mal als Kompliment."

Und mit "mainstreamiger"?

"Was heißt das schon? Entweder ist das Lied cool, oder nicht. Das beste Beispiel ist 'Smells Like Teen Spirit' von Nirvana. Das war der Indie-Hit schlechthin, dann haben’s 15 Millionen Menschen gehört. Jetzt ist’s Mainstream, aber noch immer der gleiche Song."

"Darum möcht ich, dass ihr wisst, dass das Musikantenleben gefährlich ist" – eine  Zeile aus "Traurig einen Sommer lang". Ist’s denn echt so schlimm?

"Das ist  ironisch  gemeint, aber es gab schon heftige Zeiten. Ende der 80er-Jahre. Unser Lebenswandel war nicht gesund, deshalb bin ich dankbar, dass wir die Kurve gekriegt haben. Und darum finden wir die Aussage 'Drei Kreuze (dass wir hier sind)' auch so passend."

 

Schau dir bitte dieses Foto an (rechts). Was denkst du dir da …?

"Hui, früher waren wir bunter unterwegs. Man muss aber wissen, dass das ein Statement war."

Welches?  

"Na, so ist keiner rumgelaufen.  Das war unsere Antwort auf Lederjacke und Nieten. Als sich dann aber 'Die Doofen' so anzogen, war’s das für uns. Heute sehen wir anders aus und riechen besser. Das war echt üble Synthetik, hat auf Tour oft zu unangenehmen Momenten geführt."

Ihr singt in "Tage wie diese" vom "altbekannten Weg". Woher kommt er, wohin führt er?  

"Es ist ein Weg, der sich im Laufe der Jahre geändert hat. Ein Weg, der in allen Stationen nachvollziehbar ist. Es gibt keinen Bruch, nur eine Entwicklung. Deshalb sind wir froh, dass wir da stehen, wo wir stehen!"

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