Die unheimlichen Theorien zum Corona-Virus

Mit der Verbreitung des Corona-Virus haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Erst recht, da es noch viele offene Fragen zur Lungenkrankheit gibt.

So räumte der Leiter der nationalen Gesundheitskommission Ma Xiaowei am Montag in Peking ein: "Unser Wissen über das neue Coronavirus ist begrenzt. Die exakte Quelle haben wir noch nicht ausgemacht, auch ist weiter unklar, wie das Virus genau übertragen wird und ob es sich verändern kann."

Sicher ist: Das Virus kann sich auch während der Inkubationszeit ausbreiten, also bevor sich Krankheitssymptome bemerkbar machen. "Die Inkubationszeit beträgt im Schnitt zehn Tage. Es gab aber auch Fälle, bei denen die Krankheit nach einem Tag ausgebrochen ist, die längste Inkubationszeit beträgt 14 Tage", so Ma. Es dürfte so noch Tage dauern, bis das ganze Ausmaß der Virus-Erkrankung in China fass- und sichtbar wird. Ma, der Leiter der Nationalen Gesundheitskommission, geht davon aus, dass die Zahl der Infizierten in den nächsten Tagen noch deutlich steigen wird. Erst danach rechnet er mit einem Rückgang.

Aus Labor entkommen?

Als Ausgangspunkt der neuartigen Viruserkrankung gilt eine mittlerweile geschlossene Markthalle in Wuhan. Neben lebenden Fischen, Muscheln und Krebsen wurden dort auch Schlangen und diverse Vogel- und Säugetierarten verkauft. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hat Chinas Staats- und Parteiführung den Handel mit solchen wild gefangenen Tieren jetzt landesweit verboten.

Eine derzeit beliebte Verschwörungstheorie besagt, dass das Virus 2019-nCoV ursprünglich aus dem Wuhan National Biosafety Laboratorium entwichen ist und sich in der nur wenigen Kilometer entfernten Markthalle mit ihrem Wildtier-Angebot festgesetzt und ausgebreitet hat. Das Labor war erst 2018 errichtet worden, um gefährliche Erreger und Viren wie das SARS- oder Ebola-Virus zu erforschen. Ein US-Experte hatte bereits damals im Magazin «Nature» davor gewarnt, dass ein Virus aus dem Labor freigesetzt werden könnte. Ganz abwegig scheint dieses Szenario also nicht zu sein.

Pharmaindustrie und "Deep State"

Eine weitere Verschwörungstheorie sieht hinter der Verbreitung des Virus die Pharmaindustrie am Werk. Da das Entwickeln und der Verkauf von Impfstoffen ein dickes Geschäft ist, setzt die Pharmabranche gemäß dieser Theorie auf das Verbreiten von Angst – oder steckt sogar selbst hinter der Kreierung des Virus. Dass im Zuge der Corona-Angst die Aktien chinesischer Pharmariesen massiv zulegten, sehen Anhänger als ultimative Bestätigung ihrer Theorie.

Eine dritte Verschwörungstheorie – vor allem im Lager amerikanischer Rechtspopulisten und unter Impfgegnern zu finden – geht davon aus, dass Vertreter des «Staat im Staate» («Deep State») eine Verschwörung gegen US-Präsident Donald Trump angezettelt und die Epidemie «geplant» haben. Als «Beweis» ziehen sie ein Patent der britischen Firma Pirbright Institute heran, das für die Entwicklung einer abgeschwächten Form des Corona-Virus eingereicht wurde. Experten halten dem entgegen: Die Herstellung eines abgeschwächten Virus gehört zum Standardverfahren in der Entwicklung von Impfstoffen. Das Pirbright Institute habe die Arbeit an Stämmen des Corona-Virus mittlerweile eingestellt. Diese sei ohnehin auf die Forschung rund um die Übertragung von Tier auf Tier limitiert gewesen.

Nostradamus

Schließlich gibt es noch jene, die sich auf den französischen Apotheker und Astrologen Nostradamus berufen. Dieser habe im 16. Jahrhundert den Ausbruch eines Killervirus in China vorausgesagt. Andere halten es für keinen Zufall, dass vor 200 Jahren die schlimmste Influenza-Pandemie der Geschichte gewütet hatte. Tatsächlich brach die Spanische Grippe 1918 aus dem Nichts aus und tötete bis 1920 je nach Schätzung 20 bis 100 Millionen Menschen weltweit.

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