Szene

Die Volksoper begeistert mit Wienern auf dem Mond

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:54

Es funkelt und glitzert in der Wiener Volksoper. Egal ob als goldenes Ganzkörperkostüm, sternenübersäter Himmel oder leuchtender LED-Blumenstrauß: Knapp drei Stunden lang zogen Kostüm und Bühnentechnik am Samstagabend bei der Premiere von Peter Lunds Inszenierung der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke alle Register.

Es funkelt und glitzert in der Wiener Volksoper. Egal ob als goldenes Ganzkörperkostüm, sternenübersäter Himmel oder leuchtender LED-Blumenstrauß: Knapp drei Stunden lang zogen Kostüm und Bühnentechnik am Samstagabend bei der Premiere von Peter Lunds Inszenierung der Operette "Frau Luna" von Paul Lincke alle Register.

Kritiker bekritteln zwar, dass die Leistung von Ensemble und Orchester von fliegenden Autos, Glitzer sprühenden Ballons und der allgemeinen Kostümgewalt verdeckt wurde, doch dem Publikum gefiel es. Die Zuschauer applaudierten lange mit Begeisterung.

Berliner fliegt mit seinem Bett zum Mond

Die Welt ist für den Ingenieur Fritz Steppke (Daniel Prohaska) im Berlin des anbrechenden 20. Jahrhunderts einfach zu klein, zusammen mit seinen Freunden, dem Dichter August Lämmermeier (Andreas Daum) und "Oberst" Pannecke (Carlo Hartmann), möchte er zum Mond fliegen. Im Weg steht diesem Traum zunächst aber nicht nur seine Vermieterin Frau Pusebach (Isabel Weicken), sondern auch deren Nichte Marie (Johanna Arrouas). Immerhin erwartet diese ein Kind von Fritz. Dennoch funktioniert er sein kleines Untermieterzimmer zur Raketenstation um und entschwindet mitsamt seinem Bett Richtung All.

"Special Effects" und viel Berliner Schnauze

Das aufwendige Bühnenbild von Sam Madwar wird zusätzlich durch Projektionen ergänzt. Erzählt die Vermieterin von ihrem verlorenen Liebsten, erscheint ein Männergesicht am Vollmond, seufzt Marie, ziehen Wolken durch. Und auch das Bett des Mondfahrers hebt am Ende tatsächlich von der Bühne ab. Das Berliner Setting unterstreichen die Darsteller auch durch einen kräftigen Dialekt – allerdings berlinert es je nach Szene mal mehr, mal weniger.

Männer und Frauen im Mond sind Wiener

Am Mond angekommen, steht der Verwandlung der Bühne in ein funkelndes Sternenzelt mit metall-silbrigen Elementen nichts mehr im Wege. Hier treffen sich zwei konträre Welten. Denn – bisher unentdeckt – lebt hier das Mondvolk, regiert von ihrer gelangweilten Monarchin Frau Luna (Julia Koci). Österreichische Gemütlichkeit ist hier an der Tagesordnung, vor allem der Kommandant der Mondpolizei, Theophil (Boris Eder), hält die stark an k. und k.-Österreich erinnernden Sitten hoch. Beinahe alles ist hier aus weißem Tüll, auch die Gesichter der Mondbewohner sind in passendes Weiß getaucht. Die Neuankömmlinge bringen allerdings nicht nur jede Menge "Berliner Luft" (mit Glitzer), sondern auch allerhand Umsturzideen mit.

Der Rest ist das Aufeinanderprallen von Fortschrittsgedanke und Behäbigkeit, Demokratie und Monarchie, Preußen und Österreich und von Buletten und Fleischlaberl. Auch die eine oder andere amouröse Verwirrung darf natürlich nicht fehlen. Dabei lebt das Stück vor allem von witzigen Dialogen – auch wenn die eine oder andere Zweideutigkeit überstrapaziert wird – und vielen Referenzen an österreichisches und deutsches Kulturgut. Von "ein großer Schritt für die Menschheit" bis "es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut" ist hier alles dabei.

"Frau Luna", Operette von Paul Lincke, Regie: Peter Lund, Dirigent: Gerrit Prießnitz, Bühnenbild und Projektionen: Sam Madwar, Kostüme: Daria Kornysheva, mit u.a. Julia Koci, Thomas Paul, Regula Rosin, Boris Eder, Isabel Weicken, Johanna Arrouas, Daniel Prohaska, Andreas Daum und Carlo Hartmann, 11., 16., 19., 23., 29., 30. Juni und 8., 12., 15., 17., 22. September, Volksoper Wien, Währinger Straße 78, 1090 Wien, Tickets: 01/513 1 513, )

APA/red.

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