Dienstmädchen misshandelt: 8 Prinzessinnen vor Gericht

Eine der Bediensteten im Gerichtsaal in Brüssel (2.v.r.)
Eine der Bediensteten im Gerichtsaal in Brüssel (2.v.r.)Bild: Dirk Waem
Sie beschimpften ihre Dienerinnen, ließen sie Tag und Nacht arbeiten, zahlten keinen Lohn: Jetzt wird mehreren Saudi-Prinzessin in Brüssel der Prozess gemacht.
Albtraum aus Tausendundeiner Nacht: 2008 mietete sich die arabische Prinzessin Sheika Hamda Alnehayan samt ihren sieben Töchtern für mehrere Monate im Nobelhotel "Conrad" in Brüssel ein. Mit dabei: Köche, Dienstmädchen und Kinderfrauen. Die 23 Angestellten sollen von den Prinzessinnen wie Sklaven gehalten worden sein. Die Angestellten durften das Hotel nicht verlassen, ihre Pässe wurden ihnen abgenommen. Geld für ihre Arbeit (ihnen wurden je 172 Euro versprochen) hat das Personal nie gesehen. Dafür musste die Dienerschaft Tag und Nacht die Wünsche der Damen erfüllen, auf Matratzen neben den Kindern am Boden schlafen. Die Arbeit empfanden die Angestellten als Qual: "Nie war etwas recht. Ständig wurden wir beschimpft und erniedrigt", so eine Betroffene. Von den Saudi-Prinzessinnen wurden sie als "Kühe, Hündinnen und Huren" beschimpft.

Dienstmädchen gelang nach Monaten die Flucht

Ans Licht kamen die Vorwürfe nur, weil einer Bediensteten die Flucht gelang. Sie versteckte sich zuerst, vertraute sich dann einem Anwalt an. Der verständigte die Polizei: Schließlich stürmten 40 Beamte den vierten Stock des "Conrad" und befreiten die Angestellte. Elf von ihnen entschieden sich, Anzeige zu erstatten.

Sklavenhalterinnen lassen sich vor Gericht vertreten



CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Jetzt wird der Fall vor Gericht verhandelt: Doch zum Prozess kamen die acht Prinzessinnen nicht, sie ließen sich von ihren Anwälten vertreten, was nach belgischem Recht möglich ist.

Die Anklage gegen die Saudi-Prinzessinen lautet auf Menschenhandel, Freiheitsberaubung sowie unmenschliche und erniedrigende Behandlung der Opfer. Den Sklavenhalterinnen drohen hohe Geldstrafen – möglicherweise auch fünf Jahre Haft.

(isa)
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