Diese Folgen bringt ein überstandener Zeckenbiss mit

Eine überstandene Gehirnhautenzündung kann langwierige Folgen haben.
Eine überstandene Gehirnhautenzündung kann langwierige Folgen haben.
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Das post-enzephalitische Syndrom kann jahrelange Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Nur die FSME-Impfung schützt.

Aktuell sind die Auswirkungen nach einer überstandenen Corona-Infektion Thema Nummer 1. Das sogenannte Long Covid-Syndrom wird uns noch lange begleiten. Ein ähnliches Phänomen gibt es allerdings auch bei FSME. Das post-enzephalitische Syndrom kann von FSME-Genesene noch Jahre oder sogar ein Leben lang beeinträchtigen. Das gilt besonders für Menschen ab 50 mit schwerem Krankheitsverlauf. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Die beste Präventionsmaßnahme ist nach wie vor die FSME-Impfung und deren regelmäßige Auffrischung. Nach der Grundimmunisierung und einer einmaligen Auffrischung nach drei Jahren gilt ein Impfintervall von fünf Jahren für Menschen unter 60 und von drei Jahren über 60.

„Aufgrund der Pandemie haben sich die Menschen im letzten Jahr vermehrt im Freien aufgehalten und sich damit den Zecken mehr exponiert als sonst.“ Die Folge waren über 200 Fälle von so schweren FSME-Erkrankungen, dass die Betroffenen im Spital behandelt werden mussten. Eine Zahl, die in Österreich seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde.

Fast die Hälfte mit schwerem initialen Verlauf

49 Prozent der 2020 im Spital behandelten FSME-Patienten hatten einen schweren Verlauf mit Beteiligung des Zentralnervensystems. Die meisten von ihnen waren älter als 50 Jahre, drei Patienten verstarben. Internationale Daten zeigen, dass Männer häufiger von FSME betroffen sind als Frauen und Kinder 10 bis 20 Prozent der Betroffenen ausmachen.

Krankheit mit andauernden Folgen

„Leider ist zu erwarten, dass ein guter Teil der Betroffenen, die 2020 schwer an FSME erkrankt sind, noch länger unter den Folgen der Erkrankung leiden wird“, erläutert Kunze. Die Häufigkeit des post-enzephalitischen Syndroms liegt zwischen 33 und 50 Prozent.

Daten aus Slowenien zeigen, dass der Prozentsatz der Personen mit Langzeitsymptomen im Laufe des ersten Jahres nach der Erkrankung abnimmt, sich nach einem Jahr - auf hohem Niveau - stabilisiert. Das bedeutet, dass sechs Monate nach der FSME-Diagnose in dieser Studie noch 42 Prozent der Probanden unter mindestens zwei subjektiven Symptomen (die vor der FSME-Erkrankung nicht vorhanden waren und für die es keine andere medizinische Erklärung gab) beziehungsweise mindestens einem neurologischen Symptom litten. Nach 12 Monaten sank dieser Prozentsatz auf 33 Prozent. Auf diesem Niveau blieb er dann über die nächsten zwei bis sieben Jahre stabil. Weitere Besserungen traten nicht mehr ein. "Das Post-Enzephalitis-Syndrom schränkt die Betroffenen in ihrer Lebensqualität oft schwer ein“, so Kunze. Manchmal sei sogar eine komplette Lebensumstellung erforderlich.

Versäumte Impfung nachholen

„Leider kann man den Patienten mit diesen Langzeit-Symptomen nur bedingt helfen, da es keine spezifische Therapie gibt“, so die Public-Health-Expertin. „Nur die FSME-Impfung und regelmäßige Auffrischungen können uns vor so einer Situation schützen. Die Impfungen können in Ordinationen durchgeführt werden, die durch die diversen Schutzmaßnahmen COVID-sicher sind, außerdem gibt es viele öffentliche Impfstellen. Gerade jene Personen, die die Impfung letztes Jahr pandemiebedingt haben ausfallen lassen, sollten sie heuer unbedingt nachholen.“

COVID- und FSME-Impfung mit 2-wöchigem Abstand möglich

Wer kürzlich eine COVID-Impfung bekommen hat oder in nächster Zeit geimpft wird, kann und sollte sich auch gegen FSME impfen lassen - sofern der Schutz dieses Jahr ausläuft. Wenn möglich, sollte ein Abstand von zwei Wochen zwischen den Impfungen eingehalten werden, dieser ist jedoch nicht unbedingt erforderlich. Er dient nur dazu, potenzielle Nebenwirkungen der entsprechenden Impfung zuordnen zu können. „Grundsätzlich sind beide Impfungen in kurzem Abstand möglich und überfordern das Immunsystem sicherlich nicht“, stellt Kunze klar. „Die Zecken sind bereits seit einigen Wochen aktiv und halten keinen Abstand zu uns Menschen. Selbstschutz ist daher notwendig.“

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