Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfand ein deutscher Arzt, Klaus Märtens, die robusten Stiefel. Seitdem sind sie in der Pop-, Queer- und Gegenkultur nicht mehr wegzudenken. Nun eröffnet im September ein Dr. Martens-Store in Wien. Wo genau, das bleibt noch geheim. Bekannt ist schon, dass Mitarbeiter gesucht werden.
Der Schuh des deutschen Arztes pflegt in der Skinheadszenze, im Punk, in der Wave- und Dark-Wave-Szene, in der EBM-Szene oder auch in der BDSM- und der Kink-Szene einen absoluten Kultstatus. Keine Rebellion ohne die "Docs". Dabei haben die Stiefel mit dem unverwechselbaren Look eine eigentlich ganz unaufgeregte Entstehungsgeschichte.
"Der Krieg ging zu Ende und jeder stürmte nach draußen und begann zu plündern. Doch während die meisten Leute nach Wertgegenständen wie Schmuck und Pelzen suchten, suchte ich mir einen Leisten, etwas Leder, Nadeln und Nähfäden und machte mir daraus ein Paar Schuhe mit den dicken luftgepolsterten Sohlen, die ich mir ausgedacht hatte", so der Erfinder Klaus Märtens. Schon 1952 eröffnete eine erste Doc Martens Fabrik in München, weil die "Dr. Märtens" Schuh so gern gekauft wurden und die Nachfrage hoch blieb.
Bald verkauften sich die Stiefel bei Arbeitern sehr gut. Denn die Sohlen waren unempfindlich gegen Öl, Benzin und Säuren. So gewannen sie als Arbeitsschuhe bei Soldaten, Postboten, Polizisten und Fabrikarbeitern rasch an Popularität. Die Beliebtheit wuchs und war ungebrochen.
Bald verkaufte der deutsche Doktor Märtens eine Lizenz nach England. Hier wurde der Schuh mit einer gewölbten Lederkappe auf den Zehen versehen und bekam einen gelben Nähfaden. Dieser gelbe Faden ist bis heute DAS Markenzeichen der Dr. Martens – am 1. April 1960 gingen die Dr. Martens mit dem etwas veränderten Look als Stiefel mit acht Löchern für das Schnürband in Produktion.
Einer, der die Dr. Martens in den 60ern aufs politische Parkett führte, war Tony Benn, Sozialist im britischen Parlament. Dass er sich dort für die Rechte von Arbeitern und Gewerkschaften einsetzte, machte den Schuh mit dieser politischen Gewichtung zur Ikone der Arbeiterklasse und ihrer Sympathisanten – einerseits. Andererseits wurde er auch von gewaltbereiten Trägern aus dem rechten Spektrum sehr geschätzt.
In Größe, Höhe und Farbe kann man den Schuh inzwischen variantenreich kaufen, aber die charakteristische Form wurde seit den 60ern nie mehr verändert. In England und Deutschland wird der Schuh übrigens längst nicht mehr hergestellt. Die Produktion liegt jetzt in Asien. Der Popularität tat das keinen Abbruch. Der Stiefel ist und bleibt beliebt bis heute – so beliebt ist der Schuh, dass das Unternehmen 2021 an die Böse ging.