"Diese Pandemie ist noch lange nicht vorbei"

Die Corona-Impfkampagne habe die Verbindung zwischen Neuinfektionen und Todesfällen deutlich geschwächt, sagt der britische Premier Johnson.
Die Corona-Impfkampagne habe die Verbindung zwischen Neuinfektionen und Todesfällen deutlich geschwächt, sagt der britische Premier Johnson.DANIEL LEAL-OLIVAS / AFP / picturedesk.com
Am Montag gab der britische Premier Boris Johnson das Ende der Corona-Maßnahmen bekannt. Das Vorgehen wurde bereits im Vorfeld kritisiert.

In England sollen am 19. Juli alle Corona-Maßnahmen beendet werden. Dann fallen Abstandsregeln, Maskenpflicht und die Vorschrift zum Homeoffice weg, wie der britische Premierminister Boris Johnson am Montag bestätigte. In Pubs muss nicht mehr ausschließlich am Tisch serviert werden, bei Großveranstaltungen gibt es in Stadien und Arenen keine Platzbeschränkung mehr.

Johnson betonte, dass die verbindliche Entscheidung nach einer weiteren Überprüfung der Pandemie-Daten am kommenden Montag getroffen werde. In Großbritannien hatte sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen wegen der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante zuletzt deutlich erhöht.

Airlines halten an Maskenpflicht fest

"Diese Pandemie ist beileibe nicht vorbei", sagte Johnson. Die Zahl der Neuinfektionen steige rasant, er erwarte schon bald 50 000 Fälle täglich. Doch die Impfstoffe hätten die Verbindung zwischen Neuinfektionen sowie Todesfällen und Krankenhauseinweisungen deutlich geschwächt. "Wir müssen ehrlich sein: Wenn wir die Gesellschaft nicht in den kommenden Wochen wieder öffnen können (...), wann werden wir sonst zum normalen Leben zurückkehren können?", sagte Johnson. Er verwies auf gute Bedingungen mit warmem Sommerwetter und den Schulferien.

An der Entscheidung hatte es bereits im Vorfeld Kritik gegeben. Wissenschaftler, Gewerkschaften und die Opposition forderten, vor allem die Maskenpflicht als einfachstes Mittel zur Virusabwehr aufrechtzuerhalten. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan schloss sich mit Blick auf die Auswirkungen auf den Nahverkehr diesen Forderungen an. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov sprachen sich gut zwei Drittel der Befragten für die Beibehaltung der Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie in Geschäften aus. Die Billigairlines Ryanair (Irland) und Easyjet (Großbritannien) kündigten bereits an, an Bord ihrer Flugzeuge müssten weiterhin Masken getragen werden, unabhängig von den Regeln am Abflug- oder Zielort.

Gesundheitspolitik ist im Vereinigten Königreich Sache der Regionalregierungen. Johnson ist für den größten Landesteil England verantwortlich, der keine eigene Regierung hat. Schottland, Wales und Nordirland entscheiden hingegen selbst über ihre Corona-Maßnahmen und deren Ende. Der walisische Regierungschef Mark Drakeford machte bereits deutlich, dass er die Lockerungen nicht übernehmen werde.

Johnson werde darlegen, wie das Land "lernt, mit dem Virus zu leben", sagte er vorab. Zugleich gelte es «für alle, weiterhin mit den Risiken durch Covid-19 umsichtig umzugehen und Urteilsvermögen in unserem Alltagsleben an den Tag zu legen». Noch in der Vergangenheit hatte Johnson den Virus als Feind bezeichnet, den es zu bezwingen gelte.

In Großbritannien steigen die Infektionszahlen seit Wochen wieder stark an. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Neuinfektionen pro 100.000 Menschen binnen einer Woche, wurde zuletzt mit 214 angegeben. Allein am Sonntag waren mehr als 24.000 Neuinfektionen registriert worden. Grund dafür ist die hochansteckende Delta-Variante, die in Großbritannien inzwischen fast alle Fälle ausmacht.

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