Diesen Asteroiden möchte die Nasa vom Himmel schießen

Visualisierung des Asteroiden 2004 EW95 im Kuipergürtel: Die internationale Raumfahrt möchte Asteroiden bald abschießen können.
Visualisierung des Asteroiden 2004 EW95 im Kuipergürtel: Die internationale Raumfahrt möchte Asteroiden bald abschießen können.HANDOUT / AFP / picturedesk.com
Wenn Asteroiden Kurs auf die Erde nehmen, kann das gefährlich werden. Deshalb soll ein Himmelkörper jetzt unter Beschuss genommen werden.

Sie brachten möglicherweise das Wasser und damit die Grundlage allen Lebens auf die Erde, doch sie können auch den Tod bringen. Die Gefahr von Asteroideneinschlägen ist allgegenwärtig und die Raumfahrtbehörden richten zunehmend ihr Augenmerk auf die Brocken aus den Weiten unseres Sonnensystems. Auch die Abwehr dieser Überreste der Planetenentstehung ist längst keine Science-Fiction mehr. Der Beschuss von Asteroiden ist nicht nur Gegenstand von Katastrophenfilmen, sondern ist in den Köpfen von Forschern und soll in Kürze erstmals Realität werden.

Vorbereitet auf etwaige Gefahren aus dem All möchten die Raumfahrtbehörden dennoch sein. Schon heute wird der Himmel gescannt und nun starten Esa und Nasa ein gemeinsames Projekt, um erstmals in der Geschichte der Raumfahrt den Orbit eines Asteroiden zu verändern. Die US-Sonde "Dart" soll 2022 in 150 Millionen Kilometer Entfernung in den kleineren Brocken eines Doppelasteroiden einschlagen. 2024 soll dann die nach einer griechischen Göttin benannte und vom Esa-Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuerte Mission "Hera" starten und den "beschossenen" Asteroidenteil untersuchen.

"Nicht wie Bruce Willis kaputt machen"

Koschny zufolge wird «Dart» mit einer Geschwindigkeit von knapp sieben Kilometern pro Sekunde aufschlagen. Bei einer solchen Geschwindigkeit wäre man in weniger als zwei Minuten von Zürich in Berlin. "Für die Asteroidenabwehr ist das schon ein Meilenstein." Zerstören wolle man den Asteroiden aber nicht. "Die Dinger kaputt zu machen, so wie Bruce Willis das tut, ist nicht gut, weil dann die ganzen Brösel auf die Erde fallen", sagt Koschny mit Blick auf den Katastrophenfilm "Armageddon".

Bruce Willis als Weltenretter in "Armageddon" (mit u.a. Steve Buscemi, Ben Affleck, Owen Wilson)
Bruce Willis als Weltenretter in "Armageddon" (mit u.a. Steve Buscemi, Ben Affleck, Owen Wilson)Ronald Grant Archive / Mary Evans / picturedesk.com

Angst vor Unheil aus dem All muss man Experten zufolge aber derzeit nicht haben. Richtig große Brocken sind nicht auf Kollisionskurs mit unserem Heimatplaneten. "Es gibt keinen Grund zur Panik", sagt der Asteroidenexperte der europäischen Raumfahrtagentur Esa, Detlef Koschny, aus Anlass des Asteroidentages am 30. Juni. Überraschungen kann es aber immer geben. "Es gibt viele Objekte da draußen, die wir noch gar nicht kennen."

Kollision 2068?

2013 kam ein 20 Meter großer Asteroid in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk aus dem Nichts und richtete Verwüstungen an. Ohne jede Vorwarnung verletzte die Druckwelle rund 1.500 Menschen zumeist durch geborstene Scheiben. Eine Explosion eines Brockens dieser Größenordnung setzt eine Energie von 500 Kilotonnen des Sprengstoffs TNT frei – die Hiroshima-Bombe hatte 15 Kilotonnen. Am 30. Juni 1908 kam es ebenfalls in Russland zu einer Asteroidenexplosion. In Sibirien fegte die Druckwelle Millionen Bäume auf einer etwa 300 Quadratkilometer großen Fläche weg. Wegen dieser Naturkatastrophe riefen die Vereinten Nationen 2016 den 30. Juni zum Internationalen Asteroidentag aus.

Ab einer Größe von 50 Metern muss man Koschny zufolge über eine absichtliche Ablenkung nachdenken. Asteroid "Apophis" mit rund 300 Metern Durchmesser sei ein solcher Kandidat gewesen. Lange glaubte man, dass der Brocken im Jahr 2068 Kollisionspotenzial mit der Erde hat. "Apophis ist vom Tisch. Die Gefahr ist gebannt", sagt Koschny zu jüngsten Berechnungen. Der Asteroid wurde aus der Risikoliste der Esa gestrichen. Auch 2029 fliegt er an der Erde vorbei, in nur 30.000 Kilometern Entfernung. "Das ist unterhalb der Höhe von Wetter- und Fernsehsatelliten", sagt der Asteroidenforscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Alan Harris. Zum Vergleich: Der Mond ist rund 400.000 Kilometer entfernt.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account dob Time| Akt:
ScienceWeltraumNasaESAAstronomieBruce Willis