Die SRF-Dokumentation über krasse Missstände an einer christlichen Privatschule in Kaltbrunn (SG, Schweiz) hat bereits erste Folgen für den Schokoladenproduzenten Läderach nach sich gezogen: Am Samstagabend gab das Zürcher Filmfestival bekannt, dass man die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen per sofort beende.
In einem Interview hat nun auch der jetzige CEO und Sohn von Jürg Läderach, Johannes, Stellung bezogen. Die Gewalt und das "Klima der Angst" habe der heute 37-Jährige während seiner Zeit an der Schule selbst erlebt, sagt er im Interview mit der "Sonntags-Zeitung". Seit 2018 führt er die Firma Läderach, sowohl sein Vater Jürg als auch seine Mutter seien nicht mehr im Unternehmen involviert. Auch Jürg Läderach wird vorgeworfen, Kinder geschlagen zu haben.
Notrufnummer und Hilfe-Hotline bei Kindesmissbrauch:
Rat auf Draht: 147
Telefonberatung die möwe: 01 532 15 15
Kindernotruf: 0800 567 567
Opfernotruf Weißer Ring: 0800 112 112
www.kinderschuetzen.at
www.pb-fachstelle.at (Fachstelle Prozessbegleitung)
Den Film habe er mit seinem Bruder Elias zusammen geschaut. "Es war sehr belastend. Mit anzusehen, wie von solchem seelischen und körperlichen Missbrauch erzählt wird, schmerzt ungemein – und das in einem Umfeld, dem man selbst angehörte", sagt Johannes. Er verurteile in aller Form, was an der Schule vorgefallen sei.
"Jeder Übergriff ist einer zu viel, aber wenn man die Leute kennt, geht einem das besonders nahe". Denn das Klima der Angst, das in den Anfangsjahren an der Schule geherrscht habe, habe er selbst miterlebt – mit dem Film komme nun alles wieder hoch.
Am eigenen Leib erlebte Johannes Läderach keinen Missbrauch – behauptet er jedenfalls. Denn Züchtigungs-Opfer der Schule berichten in der SRF Doku Gegenteiliges. Auch die Läderach-Kinder seien von der körperlichen Misshandlung nicht verschont geblieben. Vater Jürg Läderach hatte den "Hof Oberkirch" im Jahre 1995 übernommen.
In der SRF-Dokumentation wird aber auch von "schlagbaren und nicht schlagbaren Kindern" berichtet. Auch das bestätigt der Läderach-Erbe: "Es wurde offenbar sehr differenziert, wen man schlagen darf und wen nicht. Ich muss davon ausgehen – und das macht mich richtig wütend – , dass Kinder von Gönnern anders behandelt wurden."
Als er seinen Vater auf den Film angesprochen habe, habe Jürg Läderach versichert, dass er nie Kinder geschlagen habe – dies habe er auch schon unter Eid versichert. Dass nun aber ehemalige Schülerinnen und Schüler dem Ex-CEO vorwerfen, sie geschlagen zu haben, lasse beim Sohn "viele Fragen offen".
Die Kinder des jetzigen Geschäftsführers des Schokoladen-Herstellers besuchen, wie er selbst vor vielen Jahren, momentan ebenfalls noch die Schule in Kaltbrunn. "Dazu möchte ich nichts sagen. Aber durch den Film hat sich auch bei mir einiges verändert, meine Frau und ich werden über dieses Thema in den nächsten Tagen diskutieren", sagt Johannes Läderach.