Always-on-Wahnsinn

Digitaler Stress macht krank - was dagegen hilft

Ständige Erreichbarkeit belastet Millionen: Forscher fordern eine neue Erholungskultur und warnen vor gefährlichen Abwärtsspiralen im Job.
Technik Heute
13.08.2026, 15:07
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

E-Mails am Abend, WhatsApp-Gruppen mit Kollegen, Benachrichtigungen rund um die Uhr: Für viele Menschen verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer stärker. Die Folgen sind dramatisch - digitaler Stress macht krank.

Studien zeigen: Fast die Hälfte aller Büroangestellten erlebt mindestens einmal pro Woche digitalen Stress. Etwa 20 Prozent denken deshalb sogar über einen Jobwechsel nach. Doch wer ist schuld - der Einzelne oder die Gesellschaft?

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Digitaler Stress ist kein individuelles Versagen", betont Professorin Stefanie Andre von der IU Internationalen Hochschule gegenüber der Computerwoche. "Es geht nicht darum, dass einzelne Menschen zu wenig Kompetenz, Selbstdisziplin oder persönliche Stärke besitzen."

Körper und Seele leiden

Die Symptome reichen von Kopfschmerzen und Verspannungen über Schlafprobleme bis hin zu sogenanntem "Brain Fog" - einem Gefühl geistiger Benommenheit. Auch die sozialen Beziehungen leiden: Wer dauerhaft gestresst ist, reagiert gereizter und streitet häufiger mit Partnern, Kindern oder Kollegen.

"Besonders problematisch ist, dass daraus Abwärtsspiralen entstehen können", warnt Professor Timo Kortsch, Wirtschaftspsychologe an der IU. Gestresste Menschen reagieren unfreundlicher - und verlieren dadurch genau jene soziale Unterstützung, die als Puffer gegen Stress wirken würde.

Erholung muss Chefsache werden

Die Lösung liegt laut den Experten nicht in starren Verboten wie E-Mail-Sperren nach Feierabend. Stattdessen brauche es eine echte "Erholungskultur" in Unternehmen. Ein konkreter Vorschlag: Uhrzeiten aus E-Mails entfernen - so fällt der Druck weg, sofort zu antworten.

Vor allem Führungskräfte müssen als Vorbilder agieren. "Worüber wir kaum sprechen, ist Erholung", sagt Andre. Solange Präsenz und Überstunden als Zeichen von Leistungsbereitschaft gelten, ändere sich die Unternehmenskultur nicht.

Gute Nachricht: Firmen, die auf Gesundheit setzen, profitieren auch wirtschaftlich. Sie werden für Fachkräfte attraktiver - nicht wegen höherer Gehälter, sondern wegen der besseren Work-Life-Balance.

{title && {title} } tec, {title && {title} } 13.08.2026, 15:07