Ein Brite auf der Spur des heimischen Wortschatzes

Wenn der Britische Botschafter Leigh Turner gerade nicht mit bilateralen Verhandlungen oder Brexit-Besprechungen beschäftigt ist, widmet er sich gerne den optischen und sprachlichen Eigenheiten seiner zweiten Heimat Österreich.
Wenn der Britische Botschafter Leigh Turner gerade nicht mit bilateralen Verhandlungen oder Brexit-Besprechungen beschäftigt ist, widmet er sich gerne den optischen und sprachlichen Eigenheiten seiner zweiten Heimat Österreich.Bild: Kein Anbieter/Denise Auer
In seinem Blog widmet sich der Britische Botschafter Leigh Turner den Schönheiten der Österreichischen Sprache. Und erklärt den Unterschied zwischen "Brötchen" und Semmerl.
Die deutsche Sprache zählt zu jenen, die am schwersten zu erlernen sind. Neben den Feinheiten der Grammatik, die auch geborene Deutschsprecher im Alltag gerne unter den Tisch fallen lassen, kommen noch verschiedene Artikel, die jedem Sprachneuling in Verzweiflung stürzen.

Diese Erfahrung hat auch der Britische Botschafter Leigh Turner gemacht. Seit zwei Jahren ist Turner ständiger Vertreter Großbritanniens in Österreich.

Als begeisterter Social Media-Fan postet der Top-Diplomat auf seinem Twitter-Account #keenonwien regelmäßig die schönsten oder lustigsten Schnappschüsse aus Wien und von seinen Terminen in Österreich. Zur Feier seines Zwei-Jahres-Jubiläum hat Turner auch ein neues veröffentlicht.

CommentCreated with Sketch.3 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Deutsche Sprache, schwere Sprache

In seinem Blog nimmt er es nun mit einem härteren Gegner auf: der deutschen Sprache. Denn, obwohl Turner bereits ausgezeichnetes Deutsch spricht, passieren ihm auf Twitter immer wieder kleine Fehler, die einem g'standenen Österreicher sofort ins Auge stechen. Beispiel: Im Winter postete der Botschafter ein Foto von sich selbst beim Schlittschuhlaufen. Prompt machte ihn ein aufmerksamer Leser aufmerksam, dass das in Österreich Eislaufen heißt.

Turner nimmt das, dem ehemaligen Britischen Premierminister Winston Churchill zugeschriebene Zitat "Britain and America are two nations divided by a common language" (Großbritannien und Amerika sind zwei Nationen, die durch die gemeinsame Sprache getrennt werden)" zum Anlass, die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen "Deutsch-Deutsch" und "Österreich-Deutsch" unter die Lupe zu nehmen.

"Viele, oft unverständliche Dialekte"

"Ich höre in Wien oft die Variante 'nichts verbindet Österreicher und Deutsche so sehr wie ihre geteilte Sprache'. Für mich ist der größte Unterschied zwischen dem englischsprachigen und dem deutschsprachigen Raum, dass in Deutschland, Österreich und Teilen der Schweiz so viele verschiedene Dialekte gibt, die oft auch mehr oder weniger unverständlich sind", erklärt Turner in seinem Blog.

Bereits kurz nach seinem Amtsantritt in Wien veröffentlichte der Botschafter im September 2016 ein Video "Servus, ich bin Leigh", in dem er sich an seine ersten österreichischen Dialektworte wagte und sie, wie er selbst sagt, "massakrierte".

Video: "Servus, ich bin Leigh"



(Quelle: Youtube)

"Häferl" ist mehr als Becher oder Tasse

"Natürlich ist keine Version der deutschen Sprache besser als die anderen, aber mir haben es vor allem die österreichischen Ausdrücke angetan, für die es kein hochdeutsches Gegenüber gibt", so der Diplomat. Als Beispiel nennt Turner unser "Häferl", das einfach nicht mit "Tasse" oder "Becher" gleichzusetzen ist.

"Ich mag besonders die österreichische Art, an Wörter ein '-erl' anzuhängen", schmunzelt Turner. Zu seinen Lieblingen zähle das "Sackerl" – und nein, es heißt nicht Tüte – oder "Semmerl", das unsere deutschen Nachbarn als "Brötchen" bezeichnen. Neben dem Wort "fad" für langweilig, mag Turner vor allem auch den zutiefst österreichischen Ausdruck "Ist mir wurscht". Richtig in die englische Sprache übersetzt würde es "I could not care less" heißen, aber "I couldn't give a sausage" dürfte die Botschaft auch transportieren.

Kennen auch Sie ein paar ausgefallene österreichische Ausdrücke? Dann diskutieren Sie auf Leigh Turners Blog mit.

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