Diplomatenbruder löste neben toter Mama Kreuzworträtsel

A. Wagner vertritt 56-Jährigen in Eisenstadt
A. Wagner vertritt 56-Jährigen in EisenstadtSchreiner, Hertel
Am Donnerstag steht ein mutmaßlicher Gewaltverbrecher in Eisenstadt vor Gericht: Er hatte neben der toten Mama noch einen Tag Kreuzworträtsel gelöst.

Mordprozess am Donnerstag am Landesgericht Eisenstadt: Ein 56-Jähriger soll laut Anklage am 14. Juli 2020 im Bezirk Jennersdorf seine Mutter (80) erstochen haben.

Fahrlehrer und Versicherungsmann

Die Beziehung zwischen Sohn und Mutter war stets schwierig. Während der Bruder, ein österreichischer Diplomat im asiatischen Raum, stets der Star in der Familie war, galt der 56-Jährige als Versager. Der in der Montanstadt Leoben geborene Angeklagte schloss zwar das Gymnasium mit Matura ab, arbeitete anfangs im Außendienst im Versicherungswesen, dann als Lkw-Fahrer und als Fahrschullehrer.

Schein weg, Busfahrerjob weg

Zuletzt war der 56-Jährige als Busfahrer tätig, verlor aber wegen Alkohol am Steuer im September 2019 seinen Führerschein und lebte fortan von 1.400 Euro AMS-Geld. Der wegen versuchter Nötigung vorbestrafte 56-Jährige zog erst vor einem Jahr von der Steiermark zu seiner Mutter ins Südburgenland. Dort sollte er im Haus seines erfolgreichen Bruders bei den Umbauarbeiten helfen.

Die Beziehung zur Mutter bezeichnet der Angeklagte selbst als schwierig, da diese sehr launenhaft gewesen sein soll. Zudem ist der Steirer dem Alkohol nicht abgeneigt, zehn Bier am Tag ist eher die Regel als die Ausnahme.

Mutter motschgerte 

Am 14. Juli trank der 56-Jährige in der Früh einen Kaffee mit seiner Mutter, ging ins Dachgeschoss arbeiten und zwitscherte nebenbei die ersten Biere. Zu Mittag bat er seine Mutter, eine Bohrmaschine vom Baumarkt zu holen, was diese auch tat. Am Nachmittag arbeitete der 56-Jährige gar nicht mehr, trank noch einige Biere. Daraufhin begann seine Mutter zu motschgern und zu schimpfen: "Jetzt habe ich extra den Bohrer geholt und Du tuast nix." 

"Arbeitsscheues Gesindel"

Mutter und Sohn saßen sich am Küchentisch gegenüber, sie gab keine Ruhe, es kam zu einem heftigen Streit. Sie nannte ihn dann "arbeitsscheues Gesindel" und machte laut Angeklagtem dabei ein böses Gesicht. In diesem Moment dachte der gebürtige Steirer daran, er müsse die Welt nun von dieser Person befreien. Während sie noch keppelte, soll er vom Tisch aufgestanden sein und das größte Küchenmesser aus der Lade geholt haben Damit soll der Verdächtige seine Mutter getötet haben.

Sterbende Mutter zu Sohn (56): "Lass mich leben!"

Aufgrund der Gegenwehr der 80-Jährigen brach das Messer sogar ab, geschwächt rutschte die alte Dame vom Sessel, ihr Sohn soll ihr noch mit dem abgebrochenen Messer einige Brust- und Bauchstiche versetzt haben. Sie soll ihn während des Angriffes noch beim Vornamen genannt und gefleht haben: "Lass mich leben!" Doch der Sohn war laut Anklage völlig unbeeindruckt und stellte gefühllos fest, dass es bereits zu spät sei. 

Erleichterung und Suizidversuch

Der Angeklagte sah dann laut Anklage rund zwei bis drei Minuten seiner stark blutenden Mutter zu, wie sie immer schwächer wurde und sich schließlich nicht mehr bewegte. Die 80-Jährige war hilflos verblutet. Daraufhin ging er ins Dachgeschoss, setzte sich auf die Couch, rauchte und trank noch mehrere Flaschen Bier. Dabei fühlte er sich erleichtert, dachte laut Anklage: "Endlich kein Streit mehr."

PC-Spiel neben der Leiche

Den Folgetag verbrachte er Tag vor dem Computer, Bier trinken und Kreuzworträtseln. Dabei ging er mehrmals an der toten Mutter vorbei. 

Da der andere Sohn seine Mutter den ganzen Tag telefonisch nicht erreicht hatte, bat er eine Bekannte, Nachschau zu halten. Die Frau begab sich am 15. Juli gegen 18 Uhr zum Haus, klopfte an, der 56-Jährige reagierte nicht. Erst als der Ehemann der Bekannten den Beschuldigten angerufen und erklärte hatte, dass seine Frau vor dessen Türe stehe, machte der Steirer auf.

"Jede Hilfe kommt zu spät"

Zuerst verlangte er ein Feuer von der Bekannten, dann soll er trocken festgehalten haben: "Ich habe gestern meine Mutter erstochen und es kommt jede Hilfe zu spät." Die Bekannte rief die Polizei, um 18.30 Uhr wurde der 56-Jährige schließlich festgenommen. Laut Gutachten hatte er 1,76 Promille Alkohol im Blut. Trotz Alkoholkonsums gäbe es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte nicht in der Lage gewesen wäre, das Unrecht der Tat einzusehen.

Im Ermittlungsverfahren zeigte sich der Beschuldigte geständig, verwies auf die Launen des Opfers und die ständigen Streitigkeiten. Der gebürtige Steirer wird von Anwältin Astrid Wagner vertreten, muss am Donnerstag in Eisenstadt vor ein Schwurgericht. Die Juristin verweist auf die lange Vorgeschichte, der Angeklagte bereue zudem die Tat.

Lebenslang droht

"Er wird sich tatsachengeständig verantworten. Er war in einer emotionalen Ausnahmesituation, es brach aus ihm heraus. Er war am Rande der Zurechnungsfähigkeit", so die Advokatin.

Dem angeklagten 56-Jährigen droht dabei eine lebenslange Freiheitsstrafe. Es gilt die Unschuldsvermutung.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account lie Time| Akt:
MordProzessGericht

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen