Manche Schulen sind Schlangengruben – und damit Gift für
einen warmherzigen Pädagogen. Mag. Walter H. (60) hat's als Direktor eines Wiener Privatgymnasiums erlebt.
Sein Verhängnis: Von zwei Lehrerinnen erfuhr der Direktor, ein Schüler würde gern in Informatik maturieren, habe aber das
Wahlpflichtfach erst ab der 7. Klasse besucht. Voraussetzung
für die Reifeprüfung jedoch ist: Unterricht ab der 6. Klasse.
Der Direktor fand folgende Lösung: Per Weisung ermöglichte er
dem Schüler eine "Nachtragsprüfung" über den
Stoff der 6. Klasse. Der Bursche bestand mit "Sehr gut" – und bekam ein neues Zeugnis.
Dafür war der Schul-Chef kurz darauf seinen Job los. Denn eine Kollegin hatte ihn beim Stadtschulrat vernadert. Jetzt ist sie Direktorin – und Walter H. landete am Mittwoch wegen "Amtsmissbrauchs" vor Gericht.
Beim Prozess zeigte sich: Der Schüler durfte auch nach Auffliegen
der Affäre in Informatik maturieren. Und Richter Christian
Böhm fällte einen herzerwärmenden Freispruch: "Nicht alles, was
nicht korrekt ist, ist strafbar." Walter H. unterrichtet jetzt an einer
anderen Schule. (hoe)