Österreichs Schulen sind ab Dienstag ausnahmslos im Lockdown-Modus. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder auf. Denn: Die Schulleitungen interpretieren die Vorgaben der Regierung zu Distance-Learning, Anwesenheit und Lernangebot während des Lockdowns höchst unterschiedlich:
Das ist unklar, verlässliche bundesweite Daten sind erst Ende der Woche zu erwarten. Erste Rückmeldungen an die Bildungsdirektionen zeigen aber extreme regionale Unterschiede: In manchen Schulen in Wien wollen über 50 Prozent weiter in die Schule gehen, am Land sind es teils unter 5 Prozent.
Die Schulleitungen sollen die Lehrer-Anwesenheit "je nach Zahl der anwesenden Schüler" organisieren. Einige Schulleiter lassen aber alle Lehrer antreten.
Je nach Schule und Alter der Schüler wird das höchst unterschiedlich ausgelegt. Vorgegebene Mindestzeiten für Onlinekurse gibt es ebenso wenig wie fixe Stundenpläne. Dem Ministerium wichtig: Der Kontakt zu einzelnen Schülern soll, anders als im ersten Lockdown, nicht mehr komplett abreißen. Wöchentliche Online-Sitzungen sollen helfen.
Das E-Learning soll weiter über "Videokonferenzen, die sich weitgehend mit dem Stundenplan decken", organisiert werden. Bei "besonderem Bedarf", etwa bei Maturanten, können Kleingruppenkurse weiter in der Schule stattfinden.
Unterhalb der Oberstufe soll ein "Mix aus digitalen und analogen" Inhalten angeboten werden. Faustregel dabei: je älter die Schüler, umso digitaler der Unterricht. In den Volksschulen soll die Arbeit mit "Lern- und Arbeitspaketen", die am Montag ausgeteilt wurden, im Vordergrund stehen. Digitale Mittel wie eine wöchentliche Online-Sprechstunde sollen unterstützen.
Neu sind die "Lernstationen" in den Schulen. Je nach Altersgruppe werden Schüler dort entweder direkt beim Lernen betreut oder erhalten Hilfe beim Distance-Learning. Diese Stationen sollen von Lehrern und bereitstehenden Studenten betreut werden.
Kanzler Kurz (ÖVP) hatte sich schon früh für Schulschließungen ausgesprochen, Bildungsminister Faßmann hatte dagegengehalten. Diese unterschiedliche Auffassung zeigt sich auch jetzt: Denn während das Kanzleramt hofft, dass möglichst wenige Schüler kommen, hält Faßmann auch eine 50 Prozent-Betreuungsquote für "bewältigbar".
Diese Auslegungsunterschiede spiegeln sich auch in höchst unterschiedlichen Info-Schreiben von Schulleitungen wider. Manche raten offen zum Betreuungsangebot, andere dezidiert davon ab.
Ein Schulleiter zu "Heute": "Ich versuche, das Ziel des Bundeskanzlers umzusetzen, dass so wenige Schüler wie möglich kommen sollen. Sonst ist der Lockdown ja sinnlos." Andere Schulleiter würden aber "das Gegenteil tun, warum auch immer sie das machen."