"Dirt 5" im Test: So viel "Next-Gen" steckt im Racer

"Dirt 5" vernachlässigt zwar den Simulationsanteil etwas, überzeugt dafür aber umso mehr als Arcade-Rennspiel. Grafisch ist es eine echte Augenweide.

Sauber findet man woanders! Wenn der Dreck so richtig spritzt, der Schneematsch das Auto ins Schlingern bringt oder Sand aufstaubt, dann ist die Chance groß, dass man gerade "Dirt" zockt. Der Rennspiel-Titel von Codemasters ist nun in seiner fünften Ausgabe erschienen, und "Heute" hat ihn auf der PlayStation 4 getestet. Darin geht es weit adrenalingeladener, hübscher, aber auch schneller und flüssiger als bisher zur Sache. Allerdings: Arcade wird hier groß und Simulation klein geschrieben.

Nach dem eher Simulations-lastigen "Dirt Rally 2.0" geht es wieder zurück zum Arcade-Spielspaß, für den die "Dirt"-Hauptreihe immer stand. Nicht nur das, denn auch eine Wahl zwischen höherem Fun- oder Simulations-Anteil, wie sie "Dirt 4" noch anbot, gibt es hier gar nicht mehr. Traurig muss man deswegen aber nicht sein, denn was da in "Dirt 5" geboten wird, braucht gar keine Wahl: Es ist spaßiges Rasen mit packenden Kämpfen um jede Position und wilden Ausflügen in die Botanik, ohne die realistische Konsequenz von geschrotteten Wägen und Rennausfällen.

Das "The Crew 2" der Rallye-Welt

"Dirt 5" zeigt sich von der Aufmachung her wie das "The Crew 2" der Rallye-Welt. Über den gesamten Globus verteilt rast man in neun Ländern und in rund 70 Disziplinen über Rallye-Pisten um den Sieg. Keine Sorge, 70 Disziplinen lesen sich zwar im Text viel, im Spiel geht es dabei aber eher darum, mit welchen Fahrzeugen und Motorklassen man zu den Rennen antreten darf und ob kurze Etappen, lange Marathonrennen oder mehrere Runden auf Kursen gefahren werden. Abwechslung gibt es aber nicht nur durch die Teilnehmerzahl und Streckengestaltung, sondern auch die Grafik.

Die verschiedenen Gebiete und Strecken zeigen sich extrem abwechslungreich, mal düst man über Eis und schlittert durch Kurven in einem Schneesturm, mal rast man eine matschige Bergstrecke im Urwald rauf und runter. Top dabei: Nicht nur die Licht-Effekte lassen den Mund offen stehen, auch trumpft jede Strecke mit dynamischen Wettereffekten auf. Fährt man zwei Mal hintereinander dieselbe Strecke, zeigt sie sich mal im harmonischen Abendrot mit einem plötzlichen Regenguss, mal mitten in der Nacht mit dunklen Wolken.

Fairness findet sich nicht viel

Was gerade als Renn-Neuling etwas ärgert: Die Gegner kennen keine Fairness. Hier wird gerempelt und gedrängelt, die Ideallinie abgeschnitten und ein Überholen erbittert verhindert. "Dirt 5" scheint sogar noch ein Stück weiter zu gehen: Als Spieler scheint es so, als würden manche Fahrer die Strecke komplett ignorieren und lieber unser Rennauto ins Visier zu nehmen. Mehr als nur einmal wurden wir in führender Position von einem Konkurrenten gerammt, der eigentlich in eine ganz andere Richtung fahren sollte.

Das macht später in Adrenalin-geladenen Gefechten Spaß, stört aber die Eingewöhnungsphase anfangs etwas. Meist tritt der Spieler in den Rennen gegen elf weitere Fahrer an, in einige Events wird die Zahl aber verkleinert. Dazu gehören Matches gegen nur einen besonders starken Fahrer in einer bestimmten Motor-Disziplin oder Allein-Rennen gegen die Zeit in Stuntfahrten. Die verschiedenen Rennen in der Kampagne werden nach und nach durch Stockerl-Platzierungen freigefahren. In den Rennen selbst gibt es drei Zusatzaufgaben wie besonders lange Sprünge oder spektakuläre Drifts, die allerdings nicht unbedingt absolviert werden müssen.

Grafisch gewaltiges Game

Je nach Zahl der eingefahreren Siege und guter Plätze bekommt man Sponsorenverträge zugeschanzt, die massig Geld einbringen. Mit diesem Geld lassen sich neue Fahrzeuge kaufen, die schnell das Standard-Gefährt in der jeweiligen Kategorie ablösen. Rund 60 solcher Fahrzeuge gibt es, die nicht nur super aussehen, sondern sich auch alle leicht anders steuern, unterschiedlich klingen und sogar über jeweils anders gestaltete Innenräume verfügen. Die Cockpit-Perspektive zeigt sich im Rennen allerdings als Sache für Profis, leichter geht es mit der Verfolgersicht. Dennoch: Grafisch ist die Qualität und Abwechslung gewaltig.

Die wahnsinnig tolle Abwechslung zeigt sich auch beim Untergrund, auf dem gerade gefahren wird. Im Matsch schlingert das Fahrzeug deutlich, bleibt aber trotzdem leicht steuerbar, auf Eis rutscht das Fahrzeug spürbar und auf Schotter fühlt man beinahe die Steine unter den Reifen wegspritzen. Weniger Abwechslung bietet dagegen die Kampagne in puncto Handlung, denn es gibt keinen Storymodus. Anders als in Spielen wie "F1 2020" oder "The Crew 2" dreht sich keine Geschichte um einen Fahrer, der zum Rennstar werden will. Etwas schade! "Dirt 5" bietet nur ein kleine Audiogeschichte, die sich um die absolvierten Rennen dreht, aber vernachlässigbar ist.

Tolles Rennspiel ohne Dekoration

Auch die Sprecherstimmen schaffen es auf Deutsch nicht ganz, Rennflair aufkommen zu lassen - Englisch klingt das weit besser. Gut gelungen ist dafür der Streckeneditor, der es selbst Anfängern erlaubt, halbwegs schnell attraktive Kurse bauen zu können. Hier gibt es auch massig Streckennachschub, denn die Werke von anderen Spielern lassen sich einfach herunterladen. In Sachen Multiplayer erhält "Dirt 5" eine weitere Auszeichnung: Lokaler Split-Screen für bis zu vier Spieler ist ebenso möglich wie Online-Mehrspieler-Rennen. Klasse: Online gibt es zwei zusätzliche Renn-Modi, die sich in der Einzelspieler-Kampagne nicht finden.

"Dirt 5" bietet kaum Aktivitäten neben den Rennen, gestaltet diese aber stärker als so gut wie jeder andere Arcade-Racer. Das Fahrgefühl, die Optik der Strecken, die Licht-Effekte und die packenden Kämpfe um jede Platzierung sowie der rasante Soundtrack machen "Dirt 5" zu einem puren Renn-Spaß. Wer einfach ohne Schnickschnack über Kurse auf der ganzen Welt bretten und dabei über die geniale Grafik staunen will, kommt an "Dirt 5" nicht vorbei. Dieser Arcade-Racer gibt richtig Gas und bremst die Konkurrenz aus.

Update zur Next-Gen-Version

Nun liegen "Heute" auch die Testeindrücke der Next-Gen-Version von "Dirt 5" vor. Getestet wurde der Racer dabei auf der PlayStation 5, wo ein massiges Download-Update fällig wird. Und da nat sich sowohl grafisch, als auch bei der Steuerung etwas getan, allerdings nicht in einem gewaltigen Ausmaß. "Dirt 5" kommt auf der PS5 fast komplett ohne Ladezeiten aus und die wenigen Ruckler, die die PS4-Fassung bot, sind in der PS5-Fassung gleich vollkommen verschwunden. Dazu kommt eine leicht aufgewertete Grafik, bei der wir ins Detail gehen wollen.

In einem Standbild sieht das schon auf PS4 sehr schöne Game auf der PS5 mit dem freien Auge kaum anders aus. Details und Schärfe sind scheinbar ident, auch Farben und Kontraste gleichen sich. Erst beim Fahren zeigen sich dann doch Unterschiede: Spritzt Schlamm auf, fliegt Staub durch die Luft und wird Schnee gegen die Autos geweht, sieht das deutlich besser als auf der vorigen Konsolengeneration aus. Vor allem aber die Lichteffekte, Spiegelungen in den Autos und Pfützen sowie die atemberaubende Weitsicht begeistern.

Auch neues Controller-Feedback

Dazu kommt eine mögliche Bildrate von 120 fps, sollte der TV das auch unterstützen. Dann rasen die Wägen so richtig schnell und flink über den Bildschirm. Durch den neuen DualSense-Controller haben PlayStation-Zocker nun auch einen Vorteil gegenüber Xbox-Gamern. Das Spiel nutzt die neuen Feedback-Möglichkeiten zwar nicht bis zum Exzess aus, zeigt aber tolle Ansätze. Sowohl über die adaptiven Trigger-Tasten des DualSense-Controllers, als auch über das Vibrationsfeedback merkt der Spieler deutlich, ob er über rutschiges Eis schlittert oder mehr Rütteln und Druck beim Rennen über Stock, Stein und Schlamm verspürt.

"Dirt 5" bietet zwar auch die Möglichkeit, zwischen einer höheren Auflösung oder einer stabilen Bildrate zu entscheiden, beide Grafikmodi unterschieden sich aber kaum voneinander und liefen reibungslos. "Dirt 5" hat bei der Ausnutzung der Next-Gen-Features der neuen Konsole zwar noch jede Menge Luft nach oben, das Update beeindruckt aber dennoch mit den neuen Grafik- und Steuereffekten. Wer also die Wahl hat, sollte mit dem Arcade-Racer auf jeden Fall in die neue Konsolen-Generation starten.

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