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"Disjunction" im Test: Solider 2D-Cyberpunk

"Disjunction" reitet auf der aktuellen "Cyberpunk"-Welle, bietet aber ein eigenständiges Schleich-Rollenspiel-Erlebnis in wunderbarer Retro-Grafik.

Rene Findenig
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    "Disjunction" hat einiges mit "Cyberpunk 2077" gemein. In weiten Teilen darf auch hier der Spieler selbst entscheiden, ob er lieber dezent oder gewalttätig vorgeht,...
    "Disjunction" hat einiges mit "Cyberpunk 2077" gemein. In weiten Teilen darf auch hier der Spieler selbst entscheiden, ob er lieber dezent oder gewalttätig vorgeht,...
    Ape Tribe Games

    "Disjunction" von Entwickler Ape Tribe Games und Publisher Sold Out nimmt sich dem anhaltenden Hype um "Cyberpunkt 2077" an. Das Spiel für PC und Konsolen verstrickt geschickt Action, Schleichen und Rollenspiel-Elemente miteinander, lässt dem Spieler dabei aber auch viele Freiheiten. In einer futuristischen Gesellschaft, in der es unter den Mensch-Android-Lebewesen brodelt, steht es einem frei, entweder gewalttätig oder leise im Kampf gegen Korruption vorzugehen.

    "Disjunction" ist im New York des Jahres 2048 angesiedelt. Dort ist die Stadt in Luxusviertel sowie Slums geteilt und die Spannungen in der Bevölkerung könnten nicht größer sein. Während eine Droge namens "Shard" die Unterwelt beherrscht, scheint eine Verhaftung eines prominenten Gemeindevertreters der Funke zu sein, der die Stadt zum Explodieren bringen könnte. In der Rolle von drei verschiedenen Charakteren soll der Spieler retten, was noch zu retten ist.

    Story mit Bestseller-Format

    Nicht nur die Story ist höchst interessant und behandelt grundverschiedene Thematiken, auch unsere drei Charaktere sind höchst unterschiedlich. So hat es sich Privatdetektiv Frank zur Aufgabe gemacht, den unschuldigen Prominenten aus der Haft zu holen, die Hackerin Spider kämpft dagegen für das Überleben ihrer Menschen-Gruppe und der Halb-Cyborg Joe will eigentlich nur den Tod seiner Tochter rächen. Alle drei Handlungsstränge könnten einem Sci-Fi-Bestseller entspringen und sind ebenso gut erzählt wie solide umgesetzt.

    Nicht nur die gewaltsame oder -lose Vorgangsweise bleibt dem Spieler überlassen, in Dialogen kann man auch verschiedene Handlungsmöglichkeiten ausprobieren, die nicht selten über Leben und Tod von Figuren entscheiden. So kommt es je nach Wahl und Spielweise zu einigen verschiedenen Enden des Titels, was den Wiederspielwert des rund 12-stündigen Abenteuers noch immens erhöht. Einzig die ganz großen Überraschungen bleiben in der Handlung aus, dafür bietet sie aber auch keinerlei Durchhänger während des Spielens.

    Sehr spannendes Gameplay

    Gespielt wird "Disjunction" aus der Vogelperspektive. Dabei gilt es, sich aus dem Sichtfeld der Gegner wegzubücken, lautlos um sie herumzuschleichen und auch die Schatten zu nutzen, die das jeweilige Level bietet. Ein direkter Angriff auf die Feinde ist dabei der sichere Spieletod, denn der Übermacht ist man nicht gewachsen. Sehr wohl können aber die Gegner einzeln überrascht und überwältigt werden, wobei die übrigen Gesellen auch durch bewusstlose oder tote Körper alarmiert werden. Da die Speicherpunkte teils recht weit voneinander entfernt liegen, sind die trotzdem fairen Passagen spannungsgeladen.

    Die Spielfiguren selbst können Feinde aus der Entfernung abschießen, sie aus der Nähe schlagen und schleichen. Außerdem verfügt jede Figur über eigene Fähigkeiten wie kurzzeitige Unsichtbarkeit oder durchschlagende Attacken, die sich äußerst hilfreich zeigen und mit in den Missionen versteckten Boxen immer weiter ausgebaut werden können. Da aber auch die für die Fähigkeiten notwendige Energie äußerst knapp ist, müssen sie sehr sparsam und strategisch geplant eingesetzt werden. Fähigkeit wie Gesundheit können dabei zu kleinen Teilen mit Items von besiegten Gegnern wieder aufgefüllt werden.

    Geniale Entscheidung vor Missionen

    Neben der schon so spannend erzählten Geschichte bieten die Levels in "Disjunction" weitere Hinweise mit Hintergrundgeschichten, die die Mühe wert sind, sie zu finden. Einziges kleines Manko ist der meist sich gleichende Aufbau der Levels, die sich aber zumindest grafisch voneinander unterscheiden. Was die Missionen aber so genial macht: Getroffene Upgrade-Entscheidungen sind nicht endgültig. Will man eine Mission mal eher mit der Brechstange versuchen, kann man die Upgrade-Punkte des Charakters vor der Mission neu verteilen.

    Picture

    Was man sich noch wünschen könnte, ist eine Übersichtskarte im Spiel. Neben Munitions- und Lebens- sowie Energieanzeige und den derzeitigen Zielen fehlt eine solche bisher. Das führt – zwar äußerst selten – dazu, dass man mehrere Minuten durch ein Level irren kann, um das derzeitige Ziel ausfindig zu machen. Dafür kann aber die Musik wieder begeistern. Synthie-Klänge werden auch nach Stunden nicht langweilig und sorgen dafür, dass die fehlende Sprachausgabe gar nicht negativ auffällt.

    Grafisch ein Retro-Genuss

    Grafisch kommen Retro-Fans in den Genuss pixeliger Charaktere und Welten, wobei die Zwischensequenzen über teilweise animierte Standbilder und Texteinblendungen erzählt werden. Die Details sind zwar super, in den Levels selbst würde man sich etwas mehr Farben und Helligkeit wünschen. Andererseits passt das dunkle Setting aber auch perfekt zur düsteren Story des Titels.

    Kleines Zuckerl für Interessenten: "Disjunction" erscheint auf PC, PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch, wobei die meisten Plattformen eine kostenlose Demo des Games in ihren Spiele-Stores bieten. Insgesamt ist "Disjunction" ein toller Vertreter des "Cyberpunk"-Genres, mit einer sehr starken Handlung und einem fesselnden Gameplay. Da könnte sich sogar "Cyberpunk 2077" noch einiges abschauen!