Döblinger Gemeindebau wird zu Ella-Briggs-Hof

Die Stadt Wien ehrt die Architektin des Pestalozzi-Hofes in Döbling (Bild) mit dem "Ella-Briggs-Hof".
Die Stadt Wien ehrt die Architektin des Pestalozzi-Hofes in Döbling (Bild) mit dem "Ella-Briggs-Hof".Bild: Wikipedia
Die Stadt ehrt Architektin Ella Briggs, die für das Rote Wien soziale Wohnbauten entwarf. Künftig wird ein Gemeindebau in der Philippovichgasse ihren Namen tragen.
Wie ehrt man eine Architektin des "Roten Wien" besser als mit einer Gemeindebau-Benennung? Das dachten sich wohl auch die Mitglieder des Wohnbauauschuss des Wiener Gemeinderates, die heute, Freitag, den Beschluss fassten mit Ella Briggs eine der herausragenden Architektinnen des Roten Wien mit einem eigenen Gemeindebau zu ehren. Das bisher namenlose Gebäude in der Philippovichgasse 6-10 (Döbling) mit 43 Wohneinheiten wird in Zukunft den Namen "Ella-Briggs-Hof" tragen.

Der künftige "Ella-Briggs-Hof" liegt nur einen Katzensprung von einem von Briggs' Bauten entfernt, dem Pestalozzihof in der Philippovichgasse 2-4.

"Würdige Erinnerung an starke Frau"

"Ich freue mich ganz besonders, dass wir eine derart beeindruckende Persönlichkeit und starke Frau mit diesem Beschluss würdig in Erinnerung halten können", erklärte die Landesparteisekretärin der Wiener SPÖ und Gemeinderätin Barbara Novak.

CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Briggs erste Frau im Ingenieur- und Architektenverein

Ella Briggs wurde am 5. März 1880 als Ella Baumfeld in Wien geboren. Ihren Berufswunsch als Architektin konnte sie sich vorerst nicht erfüllen, weil diese Sparte in der Monarchie für Frauen nicht zugänglich war. Daher studierte sie zuerst Malerei und sattelte dann in Richtung Architektur um. 1921 konnte sie so als erste Frau dem Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein beitreten.

Ihre wechselvolle Geschichte führte sie früh in die USA, wo sie sich intensiv mit Architektur auseinandersetzte und ihre Entwürfe auch im Wiener Künstlerhaus ausgestellt wurden. Nach ihrer Rückkehr war sie neben Margarete Schütte-Lihotzky die einzige Frau, die als Architektin für das Rote Wien Gemeindebauten plante. Entlang ihrer Entwürfe entstanden neben dem Pestalozzi-Hof auch ein Ledigenheim im Bezirk Döbling.

Jüdin musste vor Nazi-Regime flüchten

Danach zog es sie nach Berlin, wo sie weiterhin als Architektin wirkte und moderne Wohnbauten errichtete. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde sie 1933 aus dem Bund Deutscher Architekten ausgeschlossen und als Jüdin zur Flucht gezwungen. Über Wien gelangte sie so nach England, wo sie anfangs keine Arbeitserlaubnis bekam, sich aber schließlich auch hier als Architektin durchsetzen konnte. Bis zu ihrem Tod am 20. Juni 1977 arbeitete sie in ihrem Büro in London. (lok)

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