Nach monatelangen Verhandlungen ist es nun entschieden: Toni Faber, seit Jahrzehnten Dompfarrer am Stephansplatz, geht ab 1. September 2027 in Pension, das berichtet unter anderem "Die Presse" am Donnerstag. Damit endet eine Ära in Wiens katholischer Kirche.
Faber, der im März 65 Jahre alt wird, bezeichnet die Pensionierung zwar als früh, sieht darin aber auch eine Chance, seine Erfahrungen künftig anders einzubringen. Wie "Die Presse" berichtet, zeigte sich Faber im Gespräch mit der Redaktion mit der Entscheidung im Reinen: "Ich bin mit mir und dem Erzbischof im Reinen", wird er vom Blatt zitiert.
Die Gespräche zwischen Faber und Erzbischof Josef Grünwidl waren von Diskussionen über Fabers Zukunft und die Nachfolge geprägt. Auslöser war unter anderem der Wunsch des Erzbischofs, dass Faber mit seinem 65. Geburtstag und nach 30 Jahren als Dompfarrer sein Amt übergeben solle. Faber selbst zeigte sich überrascht von diesem Vorschlag, den Grünwidl bereits im Jänner geäußert hatte.
Im Hintergrund der Entscheidung stand Berichten zufolge auch Druck aus dem Vatikan. Der päpstliche Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro López Quintana, forderte eine Lösung für die Personalie Faber. Besonders Fabers öffentliche Auftritte und Aussagen wie der Zölibat sei „völlig überbewertet“ sorgten für Diskussionen im Klerus.
In einem Schreiben an seine Mitarbeiter, das der Presse vorliegt, bittet Faber um Zurückhaltung bei Protesten oder Beileidsbekundungen. Er betont, sich in der schönsten Lebensphase seines priesterlichen Dienstes zu befinden und auch nach der Pensionierung weiterhin priesterliche Aufgaben wie das Feiern von Messen oder Taufen übernehmen zu wollen.
Unabhängig vom bevorstehenden Pensionsantritt steht für Faber ein Wohnungswechsel bevor. Seine neue Wohnung, die im Eigentum des Domkapitels ist, wird altersgerecht renoviert. In seiner aktuellen Dienstwohnung seien Schlafzimmer und Bad nur über eine 19-stufige Stiege erreichbar, was künftig vermieden werden soll.
Faber verspricht dem künftigen Dompfarrer, ihm nicht im Weg zu stehen, sondern eine Phase der Zurückhaltung einzulegen. Für Erzbischof Grünwidl bleibt nun die Herausforderung, eine Nachfolge für die Leitung der Dompfarre zu finden – eine Aufgabe, die als alles andere als einfach gilt.