Welt

Donauleiche bringt Sarkozy in Bedrängnis

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:24

Am 29. April 2012 fischte die Polizei in Wien eine Leiche aus der Donau. Der tragische Fall wurde schnell mysteriös, als sich herausstellte, dass es sich beim Toten um Shukri Ghanem, einen der engsten Vertrauten des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi handelte. Auch die Todesumstände blieben rätselhaft. Nun führt eine Spur nach Frankreich und belastet ausgerechnet den möglichen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy schwer.

Am 29. April 2012 fischte die Polizei . Der tragische Fall wurde schnell mysteriös, als sich herausstellte, dass es sich beim Toten um Shukri Ghanem, einen der engsten Vertrauten des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi handelte. Auch die Todesumstände blieben rätselhaft. Nun führt eine Spur nach Frankreich und belastet ausgerechnet den möglichen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy schwer.

So etwas findet man kaum in einem Krimi: Die Polizei fand Ghanems Leiche wenige hundert Meter neben seiner Wohnung in der Donau treibend. Ghanem wohnte mit seiner Familie in Kaisermühlen, war von 1993 bis 2011 für die OPEC tätig und gleichzeitig von Gaddafi eingesetzter "Erdölminister", zusätzlich quasi Ministerpräsident Libyens. 2011 sagte er sich vom Regime los und unterstützte die Rebellen.

Obwohl die Polizei öffentlich die Bergung der Donauleiche bekanntgab, behauptete seine Famile erst, Ghanem sei in seiner Wohnung tot aufgefunden worden. Die Obduktion ergab kein Fremdverschulden, auch ein Selbstmord lag fern, der genaue Hergang des Todes wurde nie aufgeklärt. Dafür ermittelte die Polizei international weiter. Und wurde fündig, in Holland. Dort tauchte in einer Wohnung das Notizbuch Ghanems auf. Darin enthalten: Zeilen, die die Justiz noch Jahre beschäftigen könnten.

"Sehr ungeduldig"

Nachdem es als Beweisstück in einem Korruptionsprozess in Norwegen herhielt, führt die Spur nun laut "Mediapart" nach Frankreich. Im Büchlein soll nämlich stehen, dass Ex-Präsident und künftiger Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy sich seinen Wahlkampf 2007 großzügig von Gaddafi finanzieren ließ. 6,5 Millionen Euro sollen geflossen sein, Sarkozy soll laut Notizen "sehr ungeduldig" auf die Überweisungen gewartet haben. 

Die Justiz soll bereits seit drei Jahren gegen Sarkozy wegen Korruptionsfällen ermitteln, auch wegen seiner Kommunikationsagentur, die seinen Wahlkampf organisierte. Für Sarkozy kommen die Enthüllungen zu einem äußert ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich wollte sich der Ex-Präsident demnächst entscheiden, ob er sich im Wahlkampf seinem Herausforderer Alain Juppé, Bürgermeister von Bordeaux, im Kampf um das Präsidentenamt 2017 stellt.

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