Der Radsport-Weltverband UCI will auch künftig auf die bei der Tour de France viel kritisierten nächtlichen Dopingtests setzen, zeigt zugleich aber Verständnis. "Die UCI erkennt selbstverständlich an, dass nächtliche Kontrollen die Erholung und den Schlaf der Fahrer beeinträchtigen können", hieß es in einer Stellungnahme.
Der Verband verwies darauf, "dass solche Kontrollen außerhalb der üblichen Zeiten eine Ausnahmemaßnahme bleiben, die nur unter begrenzten und gerechtfertigten Umständen angewendet wird". Die UCI sei sich "der Belastung für die Fahrer bewusst", die Tests würden aber "einem übergeordneten Ziel dienen: dem Kampf gegen Doping". Dieser habe "absolute Priorität".
Die nächtlichen Dopingkontrollen sorgen für großes Unverständnis. Zunächst waren die beiden Topstars Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard getestet worden – zwischen 2 und 5 Uhr –, der Däne stürzte auf der darauffolgenden Etappe schwer und schied mit einem Schlüsselbeinbruch aus. Auch für den Deutschen Florian Lipowitz war nach einer Kontrolle in den späten Abendstunden (22 Uhr) und einem heftigen Crash am Folgetag die Frankreich-Rundfahrt beendet. Die internationale Vereinigung der Radprofis (CPA) forderte bereits ein Umdenken.
Die UCI verwies zudem darauf, dass sie die International Testing Agency (ITA) mit der Durchführung ihres Anti-Doping-Programms beauftragt hat, "einschließlich der Planung und Durchführung, um dessen Unabhängigkeit zu gewährleisten und seine Wirksamkeit zu maximieren". Jährlich würden zehn Millionen Euro für den Kampf gegen Doping investiert, hieß es.
Die ITA werde die UCI auch künftig unterstützen, teilte der Weltverband mit – "unter uneingeschränkter Wahrung ihrer Unabhängigkeit und im Dienste eines sauberen und glaubwürdigen Radsports".
Die 17. Etappe der Frankreich-Rundfahrt über 174,7 Kilometer von Chambery nach Voiron ging am Mittwoch derweil an den belgischen Top-Sprinter Jasper Philipsen, der sich nach 3:41:13 Stunden im Massensprint einer großen Ausreißergruppe vor dem Schweizer Mauro Schmid und dem Niederländer Olav Kooij durchsetzte. Sie waren alle zeitgleich gewertet worden.
Pogacar bleibt derweil weiterhin überlegen in der Gesamtwertung in Front, hat 4:32 Minuten Vorsprung auf den Belgier Remco Evenepoel und 6:51 Minuten auf den Mexikaner Isaac del Toro. Die Etappe beendete der Slowene als 50. im Hauptfeld, direkt hinter Österreichs Rad-Ass Felix Großschartner (49.). Sie alle verloren 8:46 Minuten.