SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures soll der verstorbenen Barbara Prammer als Nationalratspräsidentin nachfolgen, das berichten mehrere Medien. Die offizielle Bestätigung durch die Partei steht noch aus.
SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures soll als Nationalratspräsidentin nachfolgen, das berichten mehrere Medien. Die offizielle Bestätigung durch die Partei steht noch aus.
Ihr Ministerium soll der derzeitige Gesundheitsminister Alois Stöger übernehmen, diesem wiederum soll ÖGB-Vizechefin Sabine Oberhauser nachfolgen. Die zuletzt als mögliche Prammer-Nachfolgerin bleibt also in ihrem Ressort.
Offenbar ringt man in der SPÖ noch mit diesen Entscheidungen. Vor allem der Aufstieg des schon öfter als Rücktrittskandidaten gehandelten Gesundheitsministers Stöger ins Infrastrukturministerium soll innerparteilich auf Verwunderung und Kritik stoßen.
Entscheidung am 25. August
Offiziell fixiert wird die Prammer-Nachfolge Ende August von den Parteigremien der Sozialdemokratie. Für den 25. August sind Sitzungen von Präsidium und Vorstand anberaumt. Dabei wird über die Personalia entschieden. Unter der Hand hört man aus der SPÖ, dass die Entscheidung für Bures fix ist, detto der kolportierte Wechsel von Stöger ins Verkehrsministerium sowie die Übernahme seines Ressort durch Oberhauser.
Faymanns starke Frau
Doris Bures - langjährige Organisatorin der SPÖ und Vertraute von Parteichef Werner Faymann - galt schon länger als Kandidatin für höhere Ämter. Während die Mutter einer erwachsenen Tochter in ihrer ersten Periode als Bundesgeschäftsführerin Anfang der Nuller-Jahre eher noch als Schwachstelle galt, wurde sie zuletzt für die höchsten Ämter im Staat gehandelt. Das zu schwarz-blauen Zeiten als Schleudersitz bekannte Infrastruktur-Ressort hatte sie stets fest im Griff.
Berichtet wurden von Ambitionen als Wiener Bürgermeisterin, selbst als Hofburg-Kandidatin soll sie im Gespräch gewesen sein. Dass sie nun in das Amt der Nationalratspräsidentin schlüpfen dürfte, kommt nicht ganz überraschend. Bures hat sich ihre Stellung bei den Roten hart erarbeitet. Bedingungslose Parteitreue und Loyalität gegenüber ihren jeweiligen Vorsitzenden gehören ebenso zu den Markenzeichen der begeisterten Wanderin wie ihr Fleiß aber auch ihr Humor.
Eine sozialdemokratische Traumkarriere - bitte umblättern.
Doris Bures steht für eine Art sozialdemokratische Traumkarriere. Als sie sechs Jahre alt war, verließ der Vater die Familie, Bures wuchs mit der alleinerziehenden Mutter und fünf Geschwistern in Wien-Liesing auf. Früh musste sie selbst für ein Einkommen sorgen, sie begann als Zahnarzt-Gehilfin. Über die Anti-Atom-Bewegung fand Bures zur Sozialistischen Jugend, wo sie Werner Faymann kennenlernte.
Team Bures-Darabos
Zunächst war es aber Alfred Gusenbauer, der zu Bures' Mentor wurde. Insidern war sie als Vorsitzende der Wiener Mietervereinigung und junge Nationalratsabgeordnete zwar bekannt, jedoch war Bures doch für viele ein Neuling, als Gusenbauer sie nach seiner Kür zum Parteichef im Jahr 2000 zur Bundesgeschäftsführerin machte - an der Seite der sanften Andrea Kuntzl, mit der die ruppigere Bures deutlich schlechter auskam als später mit Norbert Darabos.
Von den Frauen zur Infrastruktur
Als es Gusenbauer zur Kanzlerschaft brachte, war klar, dass Bures auch Regierungsluft schnuppern würde. Es wurde das Frauen- und Beamtenministerium, das Bures gekonnt lenkte, ehe sie nach Gusenbauers Demontage zurück in die Parteizentrale musste, um bei der Wahl 2008 als Managerin zu retten, was zu retten war. Immerhin wurde es trotz Verlusten wieder Platz eins, und für Bures ging es zurück in die Regierung ins Minenfeld des Infrastrukturressorts.
Zwar gelangen ihr dort keine publikumswirksamen Coups, ihre ersten fünf Jahre überstand sie aber ohne gröbere Kratzer zwischen auseinandersetzen.
Ausschließlich Freunde in der Partei dürfte Bures aber auch nicht haben. Sie kann durchaus hart sein und pflegt intern nicht immer den freundlichsten Ton. Andererseits gilt sie als durchsetzungsstark.
Doris Bures, geboren am 3. August 1962 in Wien, eine Tochter. Gelernte Zahnarzt-Assistentin. Politischer Werdegang: Ab 1990 Abgeordnete zum Nationalrat. Ab 2000 (bis 2007) Bundesgeschäftsführerin der SPÖ. 2007-2008 Frauen und Beamtenministerin, im Anschluss wieder Bundesgeschäftsführerin. Seit Dezember 2008 Infrastrukturministerin.