Doris Schmidauer: Frauen müssen ausbrechen

Das Caritas-Hilfsfonds für Frauen in Krisen wird von der österreichischen First Lady unterstützt. Das Projekt #wirtun geht in die Verlängerung.

Passend zum Frauentag am Freitag wird das Caritas-Hilfsfonds für Frauen in Notsituationen verlängert. Die Aktion #wirtun mit Schirmfrau Doris Schmidauer sammelte in einem Jahr 300.000 Euro. Das Geld fließt in unbürokratische Hilfe für Frauen in Not - in Mutter-Kind-Häuser, Sozialberatungsstellen und Notquartiere Wien.

First Lady: "Frauen müssen ausbrechen"

Doris Schmidauer hat die sozialen Einrichtungen der Caritas besucht, sagt sie im Gespräch mit "Heute". Für sie sei es außerordentlich wichtig, dass es diese Unterstützung für Frauen, Mütter und Kinder gebe. Diese Ermutigung und dieser Schritt in die Selbstständigkeit wird durch die Häuser der Caritas ermöglicht. Die Gattin des Bundespräsidenten und Ex-Geschäftsführerin der Grünen fordert ein Aufbrechen von festgefahrenen Rollen, die Frauen in eine ungewollte Armut führen: "Traditionell fühlen sich Frauen immer noch für Hausarbeit und Kindererziehung zuständig. Daher nehmen sie Teilzeitjobs an und das führt zu finanziellen Einbußungen". Insgesamt zählen 511.000 Frauen im Alter von 20 Jahren und mehr zur armutsgefährdeten Gruppe. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen beträgt 1.100 Euro, also 57% der Durchschnittspension von Männer (1.940 Euro).

Die vielen Gesichter der Armut

Armut hat viele Gesichter: Wohnungslose Frauen, Alleinerziehende, Pensionistinnen und Frauen, die auf Mindestsicherung angewiesen sind. Claudia Amsz, Leiterin mehrerer Mutter-Kind-Häuser: "Es gibt schon Themen die sich wiederholen: Beziehungsabbrüche, Gewalt in der Beziehung, Jobverlust, psychische Erkrankung, soziale Isolation. Wenn sich das häuft oder mehrere Themen zusammenkommen, ist es schwer aus dem Teufelskreis heraus zu kommen."

Rosi: Obdachlosigkeit kann jeden treffen

Rosi ist eine ehemalige Obdachlose und die erste Besucherin der zweiten Gruft in Wien. Sie weiß, wie hart es ist auf Wiens Straßen: "Als Frau hat man es doppelt so schwer", erklärt sie. Frauen genieren sich, sie geben es nicht zu, dass sie in Gefahr sind oder vor der Obdachlosigkeit stehen. Oft bekomme man nur gegen Sex eine Wohnung, man wird ausgebeutet. Rosis Kindheit war von Gewalt und Missbrauch geprägt. Als Botschaft ist ihr wichtig zu sagen, dass Obdachlosigkeit jeden treffen kann, selbst reiche Menschen. Man kann sich aber auch selbst wieder herausziehen aus diesem Sumpf, wenn man wirklich will und etwas dafür tut. Heute lebt Rosi bereits seit 20 Jahren in ihrer eigenen Wohnung und hat sich vor Kurzem einen großen Traum erfüllt: eine neue Einbauküche.

14% aller Frauen in Österreich sind armutsgefährdet

511.000 Frauen in Österreich sind armutsgefährdet und haben ein Einkommen unter 15.000 Euro. Ein Viertel aller Kinder, insgesamt 127.000 in Österreich, lebt in einer einkommensschwachen Familie. In Mutter-Kind Häusern erhalten Frauen mit einer konfliktreichen, zum Teil Gewalt behafteten Leidensgeschichte Hilfe und Unterstützung.

Im Mutter-Kind-Haus zum Weg zur Unabhängigkeit

Die 25-jährige Mutter Veronika P. (links im Bild) lebt derzeit in einem Mutter-Kind-Haus mit ihrem dreijährigen Sohn. Sie wuchs bei ihren Großeltern auf, erlebte von klein auf passive Gewalt. Sie konnte sich nicht befreien, war abhängig. Ihre Großeltern schrien sie an, waren streng. Der Schritt ins Mutter-Kind-Haus war auch für sie nicht einfach. Heute weiß sie, dass man Selbstbewusstsein wieder erlernen kann. Viele Mütter hätten Angst den Schritt zu wagen, weil sie das Erziehungsrecht verlieren könnten. Im Mutter-Kind-Haus bekomme man jedoch die notwendige Unterstützung auf den Weg zur Unabhängigkeit.

Das Crowdfunding-Projekt #wirtun

Mit dem heutigen Tag startet eine Crowdfundingkampagne auf der Plattform www.respekt.net, mit der Geld für 1.000 Notquartiersübernachtungen für Frauen in Not gesammelt werden soll. Außerdem startet die Caritas in Niederösterreich und im Burgenland ein Pilotprojekt zur Sensibilisierung gegen Gewalt an Frauen. "STAR*K" hat zum Ziel, zu zeigen, dass stark sein nicht gleich Gewalt bedeuten muss.

Bei jedem Kauf einer Packung der Marken Lenor, Oral-B, Pampers und Gillette Venus in den BIPA Filialen werden 25 Cent an Mutter-Kind-Häuser gespendet. Die Aktion läuft 2019 bis zum 31. Mai. Im Jahr 2018 haben bereits Procter & Gamble, BIPA und der Wiener Ärzteball sowie viele Unterstützerinnen, von Schauspielerin Adele Neuhauser, Moderatorin Barbara Stöckl bis hin zu Social-Media Bloggerin DariaDaria, ihr Engagement für das Projekt gezeigt.

Die Caritas hat 36 Sozialberatungsstellen in ganz Österreich und 12 Mutter-Kind-Häuser mit insgesamt 186 Müttern und 242 Kindern. Zusätzlich gibt es Häuser für wohnungslose Frauen, wie zum Beispiel das Haus Miriam in Wien. Im letzten Jahr nutzten 16.800 Frauen die Sozialberatungsstellen der Caritas, 56 % der Frauen wurden direkt unterstützt. Mehr als die Hälfte sind unter 40 Jahre alt und etwa ein Drittel sind Alleinerzieherinnen.

(no)

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