Killer stach im Streit um Grundversorgung zu

Die Polizei spricht von einem "kaltblütigen Mord": Der mutmaßliche Täter stürmte am Mittwoch direkt in das Büro seines Opfers und zückte ein Küchenmesser.

Im Sozialamt der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn (Vbg.) ist man mitunter ungehaltenes bis aggressives Verhalten gewöhnt. Also sah man am Mittwoch auch keinen Grund, die Polizei zu rufen, als ein bereits bekannter Türke (34) wieder einmal in die Abteilung stürmte, um die Überweisung der Grundversorgung einzufordern. Die Sache werde noch heute erledigt, wurde ihm mitgeteilt.

Eine halbe Stunde später kam der Mann zurück. Er ging in das Büro des Behördenleiters Alexander A. (49) im dritten Stock und soll mehrmals mit einem Küchenmesser auf ihn eingestochen haben (es gilt die Unschuldsvermutung). A. sackte blutend zusammen und verstarb noch an Ort und Stelle. Direkt vor der tödlichen Attacke soll es ein Streitgespräch gegeben haben.

Schock sitzt tief

"Wir stehen alle sehr unter Schock und können es noch nicht begreifen", sagte der sichtlich betroffene Bezirkshauptmann Helgar Wurzer einen Tag nach der Bluttat bei einer Pressekonferenz. Besonders schlimm sei die Situation für jene Mitarbeiter, ihre Büros nebenan haben und die Todesschreie hautnah mitbekamen. Er selbst habe am Mittwochabend der Lebensgefährtin des Getöteten sein Mitgefühl ausgesprochen.

Seit Ende 2009 bestand gegen den Türken wegen zahlreicher krimineller Delikte ein rechtskräftiges Aufenthaltsverbot für den gesamten Schengenraum. Alexander A. hatte das Verbot damals erlassen. Trotzdem kehrte der 34-Jährige Anfang des Jahres zurück und stellte einen Asylantrag. Ein Verfahren wurde trotz des Verbots eröffnet.

Keine Reue

Ersten Angaben der Polizei zufolge zeigt der mutmaßliche Killer keine Reue. Chefinspektor Norbert Schwendinger sprach bei der Pressekonferenz von "kaltblütigem Mord". Die Vernehmung des Verdächtigen, über den obligatorisch die U-Haft verhängt wird, begann erst am Donnerstag. Am Mittwochabend sei er noch an der Hand operiert worden – wegen einer Schnittwunde, die er sich bei der Tat zugezogen hatte. Wann er in die Justizanstalt Feldkirch überstellt wird, ist noch nicht klar.

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) zeigte kein Verständnis für die Eröffnung eines Asylverfahrens trotz Kenntnis seiner Vorgeschichte. Doch die derzeitige Rechtslage schreibe das vor. Er habe bereits mit Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) telefoniert. Der Türke sei vom Land Vorarlberg für die Grundversorgung abgelehnt worden. Die Sicherheitskonzepte aller Behörden des Bundeslandes sollen nun überprüft werden.

Korrektur: Bei der Pressekonferenz war zunächst die Rede von Mindestsicherung. Richtig ist: Der Verdächtige wollte die Grundversorgung für Asylwerber. Wir haben die entsprechenden Passagen korrigiert.

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