Doskozil: "Die SPÖ ist für Rot-Blau nicht bereit"

Hans Peter Doskozil (Archivfoto, 2017)
Hans Peter Doskozil (Archivfoto, 2017)Bild: Helmut Graf
Im Interview mit "Heute" spricht Burgenlands Landeshauptmann über den Wahlkampf seiner Partei, Saint Tropez, Sebastian Kurz – und über sein "altes Problem".
"Heute": Herr Landeshauptmann, Sie haben sich lange nicht zu Wort gemeldet. Sind Sie mit dem SPÖ-Wahlkampf neuerdings etwa so zufrieden?

Hans Peter Doskozil: Als die Neuwahlen fix waren, haben uns viele vorschnell auf die Verliererschiene gerückt, da gab es auch innerhalb der Partei eine negative Dynamik. Je länger der Wahlkampf dauert, desto besser kann sich die SPÖ positionieren und desto schwieriger wird es für die ÖVP.

"Heute": Apropos Negativ-Dynamik: Würden Sie sich in den Club 55 in Saint-Tropez setzen?

Doskozil: Wir sind erwachsene Leute, jeder muss wissen, was er mit seinem Urlaubsgeld macht. Ich habe keinen Bezug zu Saint-Tropez, wäre auch nicht hingefahren.

"Heute": Es folgten harsche Berichte. War das klug von Rendi?

Doskozil: Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Es muss auch jeder für sich selbst beurteilen: Wie kommt so etwas in der Bevölkerung an? Wie kommt das bei den eigenen Mitgliedern an? Im Privaten sollten aber auch Politiker noch gewisse Freiheiten haben.

"Heute": Wo waren Sie heuer?

Doskozil: Eine Woche in Kroatien und einige Tage in Belgien. Ich bin viel am Meer gelegen. Mir geht es im Urlaub rein um Erholung, nicht um schöne Restaurantbesuche.

"Heute": War es hinsichtlich Türkis-Rot ein Fehler, Kurz abzuwählen und zu dämonisieren?

Doskozil: Für die SPÖ, aber auch für Sebastian Kurz, gilt: Man darf nicht eitel sein und muss im Interesse des Landes handeln. Wenn es inhaltlich passt, muss er darüber hinwegsehen– und dann muss natürlich auch eine Koalition zwischen SPÖ und ÖVP möglich sein.

"Heute": Sie sind Kurz sicher näher als Pamela Rendi-Wagner. Würden Sie, wenn Ihre Partei Sie ganz nett bitten würde, als Vizekanzler zur Verfügung stehen?

Doskozil: Ich kenne meine Partei, ich werde nicht gefragt. Ich möchte aber auch betonen: Ich stehe dafür nicht zur Verfügung. Mein Weg ist ganz klar im Burgenland.

"Heute": Dann vielleicht Bures?

Doskozil: Warten wir doch zuerst das Ergebnis ab – alles andere wäre ein Zeichen von Arroganz und Hochmut. Jetzt müssen wir einmal demütig vor den Wähler treten und gewählt werden. Dann muss man schauen: Strebt man eine Koalitionsbeteiligung an – und falls ja: mit welchen Köpfen.

"Heute": Mit Rendi-Wagner?

Doskozil: Unsere Spitzenkandidatin hat eine Trendumkehr geschafft. Die Frage, sie auszutauschen, stellt sich jetzt also nicht.

"Heute": Nochmals zurück zu meiner Frage: In Wien ist Doris Bures auf sehr vielen Plakaten zu sehen. Wohl sicher nicht zum Spaß.

Doskozil: Doris Bures ist eine Spitzen-Repräsentantin der Sozialdemokratie und kommt daher für viele Funktionen in Frage.

"Heute": Könnte Rot-Blau, wie im Burgenland, auch auf Bundesebene ein denkbares Modell sein?

Doskozil: Ich weiß, was wir an Rot-Blau im Burgenland haben, ich weiß, auch was es in der Zusammenarbeit bedeutet. Man muss aber Realist sein: Wenn man das Innenleben der SPÖ kennt, muss man sagen, dass dieser Schritt auf Bundesebene derzeit unmöglich ist. Diese Partei ist für diesen Schritt nicht bereit.

"Heute": Das Wahlziel?

Doskozil: Kein Minus vor dem Ergebnis. Wir sind bereits auf einem historischen Tiefpunkt.

"Heute": Im Burgenland droht ein Rückfall auf Platz drei.

Doskozil: Ich kenne die Daten. Ja, diese Gefahr droht und man muss das akzeptieren können. Unter diesen Voraussetzungen ist unser Ziel, die zwei Mandate, die wir innehaben, zu halten.

"Heute": Sie sind jetzt seit sechs Monaten Landeschef. Was haben Sie konkret geschafft?

Doskozil: Der Mindestlohn von 1.700 Euro netto wird gelingen, das ist richtige sozialdemokratische Handschrift. Wir haben jahrelang davon gesprochen, aber umgesetzt ist es nie worden. Wir machen das jetzt und ich hoffe, dass andere Länder nachziehen. Ein großer Erfolg ist auch der Gratiskindergarten, der kommen wird und, dass wir pflegende Angehörige in Anstellung bringen werden.

"Heute": Auf Landesebene sehen Sie die Umfragen Richtung Absolute Mehrheit marschieren.

Doskozil: Wir starten bei 42 Prozent. Unser Ziel ist ein Plus, alles andere ist heute utopisch.

"Heute": Eine First Lady haben Sie. Wie oft sehen Sie Julia im Dauerwahlkampf-Stress?

Doskozil: Täglich, ich fahre auch nach langen Tagen immer heim nach Oberwart zu Julia.

"Heute": Sie klingen sehr heiser. Gesundheitlich alles okay?

Doskozil: Mein altes Problem, ja. Aber ich hab' das im Griff.

Das Interview führte "Heute"-Chefreporter Clemens Oistric.





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