Jobs nicht nur für (m/w) – das steckt hinter dem (d)

Bei Stelleninseraten gesellt sich zum gewohnten "m/w" neuerdings ein "d" dazu. Erste Firmen benutzen es schon. Was es damit auf sich hat.
Manchen Stellensuchenden dürfte die Neuheit bereits aufgefallen sein. Benutzten Firmen in Jobinseraten bis vor kurzem lediglich "m/w" (männlich/weiblich), um sicherzustellen, dass sich Männer und Frauen angesprochen fühlen, kommt nun eine neue Kategorie hinzu. Neu sind auf Job-Portalen plötzlich zahlreiche Stellen mit dem Zusatzvermerk "m/w/d" gelistet.

Der Hintergrund: In Deutschland gibt es seit Anfang des Jahres offiziell ein drittes Geschlecht. Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, können sich als "divers" im Personenstandsregister eintragen lassen.

Das hat Auswirkungen auf die Arbeitgeber: Um nicht mit dem Gleichbehandlungsgesetz in Konflikt zu geraten, müssen sie ein "d" für divers oder ein "i" für intersexuell bei Stellenausschreibungen hinzufügen.

Zeichen der Anerkennung



CommentCreated with Sketch.7 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Jetzt folgen erste österreichische Firmen dem Beispiel aus Deutschland. Viele davon haben ihren Hauptsitz in Deutschland. Obwohl es rechtlich anerkannt ist, gibt es bei uns keine Pflicht für das "d" in Inseraten. So sucht die Powerserv GmbH beispielsweise "Staplerfahrer m/w/d", "Lackierer m/w/d", oder auch "Lagermanager m/w/d" .

Der Zusatz diene als Anerkennung, dass es Personen gibt, die sich weder als männlich noch als weiblich klassifizieren. Auch diese wolle man bei Stellenausschreibungen ansprechen.

Tobias Humer vom Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich bestätigt: "Es gibt viele positive Rückmeldungen von Betroffenen, seitdem Firmen den Zusatz in ihren Ausschreibungen führen. Sie fühlen sich jetzt viel willkommener. Wir freuen uns immer, wenn das passiert, es zeugt von einem Umdenken."

Tendenz steigend?



Humer meint, dass sich die Auswirkungen des angeführten Zusatzes noch nicht feststellen lassen, da er in Österreich noch sehr neu ist. Er kann sich aber vorstellen, dass das "d" auch hierzulange verpflichtend werden wird: "Aber es wird aber noch einige Zeit dauern. Es müssen auf jeden Fall Lösungen gefunden werden."

Auch Gegenstimmen



Nicht alle sind dem Zusatz gegenüber positiv eingestellt. Der Schweizer Personalexperte Jörg Buckmann sagt im Gespräch mit "20 Minuten", dass das "d" eher verwirrend als nützlich sei und sieht in der Maßnahme viel mehr ein "krampfhaftes Bemühen, es allen recht zu machen." Ein Zusatz bei Stellenausschreibungen als Lösungsansatz sei naiv, findet er. (rfr)

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