Nachdem die Wiener Polizei Ende Februar einem Drogenclan das Handwerk legte, müssen sich die Bandenmitglieder am Montag vor Gericht verantworten. Der Kopf der Bande, ein 43-Jähriger, soll seine Kinder kokainabhängig gemacht haben, um sie "besser" als Dealer einsetzen zu können. Seit dem Sommer soll der Clan monatlich Drogen im Straßenverkaufswert von 56.000 Euro umgesetzt haben.
Mit Schuldsprüchen endete am Montag der Prozess gegen den Drogenclan "La Familie". Der Kopf der Bande, ein 43-Jähriger, soll seine Kinder kokainabhängig gemacht haben, um sie "besser" als Dealer einsetzen zu können. Seit dem Sommer soll der Clan monatlich Drogen im Straßenverkaufswert von 56.000 Euro umgesetzt haben. Die Urteile reichen von sechs Monaten bedingt bis 21 Monate unbedingt.
Durch die großteils umfassenden Geständnisse konnten die Beschuldigteneinvernahmen kurz gehalten und großteils auf Zeugeneinvernahmen verzichtet werden. Der Vater, Hauptangeklagter und Kopf der Bande, muss 21 Monate hinter Gitter. Ihm kamen seine Taten "irrsinnig" vor, nachdem er wieder "nüchtern" war.
Vater, Stiefmutter, 19-jährige Zwillingssöhne, 22-jährige Tochter, zwei Ex-Schwiegersöhne im Alter von 32 und 37 Jahren sowie der aktuelle Freund der Tochter - das sind die Hauptakteure des Clans. Sie werden verdächtigt, Teil einer kriminellen Organisation zu sein.
Gemeinsam mit zwei Dealern - ein 44-Jähriger mit Villa in Niederösterreich sowie ein 49-jähriger Sozialhilfebezieher mit großem Einfamilienhaus in Wien-Donaustadt - zog "La Familia", wie sich der Clan selbst bezeichnete, den groß angelegten Handel mit Kokain und Marihuana in Wien auf.
Eigene Kinder abhängig gemacht
Der 43-jährige Vater ging bei seinen Geschäften mit voller Härte vor: So soll er laut Ermittlern seine eigenen Kinder drogenabhängig gemacht haben, um sie noch besser einsetzen zu können. Zu den Abnehmern des Clans zählte auch eine Mutter, die für ihre erst zwölf Jahre alte Tochter Marihuana kaufte.
Die Kinder belieferten die Kunden, einer der Zwillinge zählte gemeinsam mit einem 37-jährigen ehemaligen Liebhaber der Tochter zu den "fleißigsten" Dealern. Sie belieferten bereits am Vormittag ihre Abnehmer, vorwiegend aus der Wohnung des 37-Jährigen in Floridsdorf. Zudem war der 19-Jährige für den Betrieb einer Marihuanaplantage mit rund 350 Pflanzen neben einem Tennisplatz in Floridsdorf zuständig. Der zweite Sohn vertrieb die Drogen in der Nähe seiner Wohnung in Meidling.
Monatlich rund 56.000 Euro Umsatz
Ein- bis zweimal pro Woche besorgte der 43-Jährige das Kokain beim 44 Jahre alten Dealer in Niederösterreich, der das Suchtmittel wiederum vom unauffällig in der Donaustadt lebenden 49-Jährigen bezog. Anschließend bestätigte der Vater seinem Familienclan, dass die Geschäfte "weitergehen" können. "La Familia" erwirtschaftete mit den Drogengeschäften einen monatlichen Umsatz von rund 56.000 Euro.
Wiener "La Familia" in Haft
Am Abend des 23. Februar wurde die Tätigkeit der Bande von Suchtgiftermittlern des Landeskriminalamtes beendet. Rund 130 Beamte, darunter die Spezialeinheit Wega, schlugen zeitgleich an 15 Adressen in Wien und Niederösterreich zu. Binnen einer Stunde wurden 18 Personen - Clan, Dealer sowie acht Abnehmer - festgenommen, teilweise aus fahrenden Autos heraus.