Drogen-Firma zahlte Gärtnern 3.000 € Gehalt

Die 20 Angeklagten auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz am Wiener "Landl".
Die 20 Angeklagten auf dem Weg zu ihrem Sitzplatz am Wiener "Landl".Bild: Kein Anbieter/Denise Auer
Der Hasch-Clan war organisiert wie ein Vorzeigebetrieb, zahlte saftige Gehälter und bot sogar eine Karriereleiter an. Seit heute Vormittag läuft ein Mega-Prozess.
Geht eng zu, seit heute Vormittag im Wiener Landesgericht. Dort, wo sonst Grasser und Co. im Telekom-Prozess schwitzen, wird nun einem krassen Drogen-Clan der Prozess gemacht. 20 Angeklagte (eine hat sich krankgemeldet) und ihre Anwälte drängen sich an vorerst neun Verhandlungstagen in den Großen Schwurgerichtssaal.

Hunderte Kilo Hasch in elf Häusern

Den Damen und Herren wird vorgeworfen, seit 2016 in zumindest elf Häusern in Wien und Niederösterreich Hunderte Kilo Cannabis angebaut und anschließend verkauft zu haben. Laut Anklage florierte das Unternehmen – und war höchst professionell geführt.

Massive Umbauarbeiten

An den einzelnen Standorte in Wien, Trumau, Gänserndorf, Angern/March und Gerasdorf wurden – unter falschen Namen und mit gefälschten Papieren – Häuser angemietet und Gärtner angestellt. Ihnen zahlte die "Drogen-Firma" ein fürstliches Fixgehalt von 3.000 Euro im Monat aus. Für das fürstliche Salär sollten sie für hohen Ertrag sorgen. Dafür wurde teilweise sogar massive Umbauarbeiten in Kauf genommen. Etwa Wände aufgestemmt, Stromleitungen neu verlegt oder Stiegen niedergerissen – um mehr Platz für Plantagen zu schaffen. Die Ernte übernahmen „Helfer", die unterste Ebene der kriminellen Verbindung. Bewährte man sich allerdings, war auch ein Aufstieg zum Kontrolleur möglich.

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"Hatte Angst um mich und meine Familie – aber ich konnte nicht mehr zurück."
"Ich habe Angst vor diesen Menschen. Ich habe sowohl Angst um mich als auch um meine Familie. Als ich gesehen habe, was ich arbeiten musste, wollte ich mich gar nicht mehr darauf einlassen. Ich konnte aber nicht mehr zurück", so ein Angeklagter.

Namenskärtchen, synchrones Klicken, Fixplätze

Der Einzug der Angeklagten war heute eindrucksvoll. Alle 20 (!) Personen wurden von einem Justizwachebeamten (oder einer -beamtin) begleitet und zu jenem Tisch geführt, an dem sonst Grasser, Meischberger & Co. sitzen. Zeitgleich klickten dann 20 Handschellen – für die Dauer des Prozesses wurden sie den Verdächtigen abgenommen. Jedes Mitglied des "Hasch-Clan" kam übrigens in das Privileg eines Namenskärtchens – auch das eint sie mit den Telekom-Angeklagten. Jeweils hinter ihren Schützlingen haben die Anwälte ihren fix zugewiesenen Platz. Die Wiener A-Riege (Philipp Wolm, Christian Werner, Astrid Wagner) verteidigt.

"Tausende Seiten Papier wurden hier produziert, exakt zehn Zentimeter davon sind wesentlich!"
"Bis auf das eindrucksvolle Ambiente des ehrwürdigen Großen Schwurgerichtssaals ist das hier ein 08-15-Akt, wie wir ihn hier im Haus beinahe jede Woche verhandeln", so Wolm. "Das Bundeskriminalamt hat eifrig ermittelt und Tausende Seiten Papier produziert. Ich habe den ganzen Akt in den letzten Wochen durchgearbeitet. Exakt zehn Zentimeter darin sind wesentlich, der Rest dient nur dazu, unsere Klienten als so kriminell wie möglich hinzustellen." Wolm, der in der akribischen Prozessvorbereitung sogar bei Wissenschaftern an der Boku recherchiert hat, zog auch massiv in Zweifel, dass pro Pflanze 30 bis 40 Gramm Cannabis gewonnen werde könne. "Bei Indoorplantagen sind eher 15 bis 20 wahrscheinlich, also knapp die Hälfte der angeklagten Menge", so Wolm.

Bis zu 10 Jahre Haft blühen

Was letztlich übrig bleiben wird, werden die kommenden acht Verhandlungstage zeigen. Den Mitgliedern des Hasch-Clans drohen am Ende jeweils bis zu zehn Jahre Haft, ein Bandenkopf ist noch auf der Flucht und wird in Serbien vermutet. Es gilt die Unschuldsvermutung. (coi)

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