Nach dem Eindringen einer Drohne in Nordkorea zu Jahresbeginn haben südkoreanische Ermittler Gebäude des eigenen Geheimdienstes durchsucht. Die Razzien fanden an insgesamt 18 Standorten statt und richteten sich gegen drei aktive Soldaten und einen Mitarbeiter des Geheimdienstes, wie ein gemeinsames Einsatzkommando von Heer und Polizei am Dienstag mitteilte. Bis jetzt bestreitet die südkoreanische Regierung jede Beteiligung an dem Vorfall.
Laut Angaben der Ermittler wurden unter anderem Gebäude des Kommandos des Verteidigungs-Nachrichtendienstes und des Nationalen Nachrichtendienstes durchsucht. Das Einsatzkommando kündigte an, "die Wahrheit hinter dem Drohnenvorfall durch die Analyse der beschlagnahmten Materialien und eine gründliche Untersuchung der Verdächtigen vollständig aufdecken" zu wollen.
Anfang Jänner hatte Pjöngjang Seoul vorgeworfen, eine Spionagedrohne ins nordkoreanische Gebiet geschickt zu haben. Die südkoreanische Regierung betonte, nichts von dem Drohnenflug zu wissen und verwies auf eine mögliche Tat von Zivilisten. Südkoreas Präsident Lee Jae Myung verurteilte die Aktion als "Kriegserklärung". Sie sei "gleichbedeutend mit einem Schuss" auf Nordkorea, sagte er und forderte eine strenge Bestrafung der Verantwortlichen.
Ende Jänner berichtete die südkoreanische Polizei von Durchsuchungen in Büros und Wohnungen von drei Zivilisten, die im Verdacht stehen, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Die drei wurden inzwischen angeklagt. Ein Mann hat bereits zugegeben, mit der Drohne geflogen zu sein. Er erklärte, er habe die Strahlenbelastung durch eine nordkoreanische Uranaufbereitungsanlage messen wollen.