Wer Jan Aage Fjörtoft als TV-Experten bei der WM erlebt hat, lernte einen Menschen kennen, der laut und durchaus überspitzt mit Kollegen wie Steffen Freund diskutierte. Im Gespräch mit "Heute" wirkt der Norweger allerdings bedachter und fast schon nachdenklich, wenn er über Fußball und das Leben philosophiert.
Besonders beim Thema Gianni Infantino, der durch einen möglichen Investoren-Einstieg auch viele seiner letzten Unterstützer gegen sich aufgebracht hat und nun vor einer möglichen Abwahl als FIFA-Präsident steht, wird Sky-Experte Fjörtoft deutlich: "Infantino ist der einzige Mensch, der es schafft, dass Donald Trump wie ein normaler Mensch aussieht. Das ist grausam, weil Leute wie er bestimmen, wie unsere Kinder den Fußball wahrnehmen."
Ein Problem, das für Fjörtoft allerdings weit über die FIFA hinausgeht. Auch andere große Sportverbände sieht der 59-Jährige kritisch: "Thomas Bach war eine Katastrophe als IOC-Präsident. Bei den Handballern hast du mit Hassan Moustafa einen Mann, der seit dem Jahr 2000 im Amt ist und gegen den wegen des Verdachts der Untreue ermittelt wird. Diese fehlende Transparenz wird dem Sport nachhaltig schaden."
Doch nicht nur der Umgang mit Macht stößt dem ehemaligen Rapid-Stürmer sauer auf. Auch Rassismus beschäftigt Fjörtoft seit Jahrzehnten. Dabei nimmt der Norweger eine besondere Rolle in der Geschichte des österreichischen Fußballs ein. Bei einem Rapid-Auswärtsspiel 1990 in Steyr wurde sein damaliger Mitspieler Hernán Medford aus dem eigenen Fanblock rassistisch beleidigt. Fjörtoft stellte sich danach unmissverständlich vor seinen Teamkollegen: "In einer Fußballkabine ist es egal, welche Hautfarbe du hast, ob du zu Allah, Gott, Buddha, Thor oder Odin betest. Ich kann mich erinnern, dass ich schockiert war, dass mein Interview so viele Schlagzeilen gemacht hat. Ich habe auch gesagt, dass ich den Verein verlasse, wenn das noch einmal passiert. Und das habe ich zu 100 Prozent so gemeint."
Doch nicht nur Rassismus beschäftigt Fjörtoft. Auch der zunehmende Rechtsruck in vielen Ländern bereitet dem weltoffenen Norweger Sorgen. Dabei will er sich eines nicht nehmen lassen – den Stolz auf seine Heimat: "Wenn ich sage, dass ich stolz bin, Norweger zu sein, dann hat das nichts mit Politik zu tun. Das bedeutet, dass ich mein Land Norwegen liebe und nicht, dass ich etwas gegen andere habe. Diesen Stolz dürfen wir den Rassisten nicht überlassen."
Man sieht also: Fjörtoft macht sich Gedanken, die über den Tellerrand hinausgehen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum der 59-Jährige sowohl vor der Kamera als auch abseits des großen Scheinwerferlichts so gut funktioniert.