Dunst: "Ich arbeite, bis ich 90 Jahre alt bin..."

Verena Dunst denkt nicht an die Pension.
Verena Dunst denkt nicht an die Pension.Bild: Denise Auer

Frauen haben einen anderen Fokus. Als Verena Dunst den "Heute"-Newsroom betritt, stechen ihr nicht die modernen Bildschirme ins Auge. Nein, das rote Urgestein lobt das viele Grün der Pflanzen. Ein Gespräch mit der ersten Landtagspräsidentin des Burgenlandes.

Heute: Nach 18 Jahren in der Regierung haben Sie im März die Rolle gewechselt. Sind Sie angekommen im neuen Amt?

Verena Dunst: Absolut. Da gibt's keinen Spielraum. Ich bin schon lange in der Politik, da braucht es keine lange Einarbeitungszeit. Sorgen hatten eher meine Wähler – davor, dass ich jetzt nur noch in Eisenstadt bin. Aber eines ist klar: Ich nehme meinen Südburgenland-Auftrag weiter mit aller Kraft wahr.

Heute: Sie haben das Pensum, nun mit 61, nicht reduziert?

Dunst:
Im Gegenteil. Ich arbeite 15 Stunden jeden Tag, mir geht alles zu langsam – zum Leidwesen meiner Mitarbeiter, denen sage ich mitunter schon: "Duads weida, gemma …" Stillstand halte ich nicht aus. Das wird in meinem dritten Lebensabschnitt einmal spannend. Ich glaube, davor fürchten sich einige in meiner Familie schon.

Heute: Sie sind als erste Frau Landtagspräsidentin geworden. Wir haben Sie diese gläserne Decke durchschlagen?

Dunst:
Ich habe mich immer durchgekämpft. Am Anfang meiner politischen Karriere hat man durchgeschaut durch mich, da habe ich dann halt Dinge drei Mal gesagt. Die Wertschätzung von Männern habe ich erst durch meine Wahlergebnisse bekommen, wo ich etwa den ÖVPlastigsten Bezirk, Güssing, gedreht habe. Durch persönlichen Einsatz. Ich bin immer nur durch Vorzugsstimmen der Menschen in meine Ämter gekommen. Irgendwann haben dann alle gesehen: Die kann wirklich was.

Heute: Wie hoch ist die Macho-Dichte in der Politik?

Dunst:
Schon beträchtlich, brauchen wir gar nicht drüber reden.

Heute: Arbeitet es sich eigentlich leichter, wenn man sein Mandat von den Wählern erhält?

Dunst:
Absolut. Ich habe immer gesagt: Ich bleibe so lange in der Politik, wie die Wähler mich wollen und es für meine Familie okay ist. Ich war nie abhängig von Entscheidungsträgern.

Heute: Ziehen Sie 2020 noch einmal in die Schlacht?

Dunst:
Das ist ein Wunsch des Landeshauptmannes. Er weiß, wie stark ich in Güssing verankert bin und hat mich gebeten: "Mach noch einmal mit." Das mache ich. Ich habe ja noch einige Jahre zu arbeiten – bis ich 90 bin, habe ich mir vorgenommen.

Heute: Sind Sie also gekommen, um zu bleiben – als Landtagspräsidentin?

Dunst:
Hängt davon ab, ob mich der Landtag nochmals in diesem Amt möchte. Zuerst gilt es, Wahlen zu schlagen – ich bin bereit.

Heute: Bereit war auch Ihr Mann in den 80ern: Damit Sie im Nationalrat tätig sein konnten, ging er in unbezahlte Karenz, als das noch absolut unüblich war.

Dunst:
Es ging nicht anders. Für ihn war das kein Problem. Ich sage zu den Frauen, die zu meinem Sprechtag kommen, immer: "Haben Sie sich Ihren Mann vorher nicht angeschaut?" Also ich habe meinen genau geprüft. Manchmal denke ich mir: Der hat fast einen Heiligenschein verdient. Es gab nie eine Diskussion.

Heute: Wie war es für Sie, wenn Sie die Kinder abends nicht selbst ins Bett bringen konnten?

Dunst:
Schrecklich. Wenn eine Sitzung um drei in der Früh aus war, bin ich heim ins Burgenland gefahren. Um fünf bin ich angekommen. Als meine Töchter um sechs aufgestanden sind, habe ich gesagt: "Hallihallo!" Um halb sieben bin ich wieder ins Parlament gerattert – ohne Schlaf. Damals habe ich sehr mit meinem Leben gespielt. Ich möchte Frauen nicht

anlügen: Vereinbarkeit von Beruf und Familie war schwierig und ist schwierig. Wenn ich einen Partner habe, der ein Kind mag, muss er wissen, dass er dann auch ein Kind hat. Nicht nur für eine Mäci-Fahrt am Wochenende.

Heute: Themenwechsel: Sie treten für eine hohe Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl ein. Was hat das Burgenland von der EU?

Dunst:
Wir sind Europameister darin, Geld in Brüssel abzuholen und ja nix liegen zu lassen. In meinem Bezirk gab es 1995 keine Arbeitsplätze, 15.000 Nächtigungen. Heute haben wir 346.000. Dort, wo jetzt vier Thermenhotels stehen, bin ich in einem Kukuruzfeld herumgelatscht – das wäre ohne Förderungen nicht machbar gewesen. Ich hoffe sehr, dass möglichst viele Burgenländer daran denken und für das Friedensprojekt Europa stimmen.

Heute: Abschließend: Was sagen Sie als frühere Lehrerin zu den Gewaltvideos aus einer HTL?

Dunst:
Da ist auch im Elternhaus einiges schiefgelaufen. Ich bin sicher, dass viele der Jugendlichen, die da so eskaliert sind, noch nie Wertschätzung erfahren haben, sonst würden sie mit Konflikten anders umgehen können.

(red)

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