"EA Sports NHL 21" im Test: Top trotz wenig Neuem

Die großen Neuerungen bleiben heuer aus, trotzdem ist "EA Sports NHL 21" das beste NHL-Spiel der Serie, das es bisher gab. Der große "Heute"-Test.

Wer auf Spiel-verändernde Innovationen im neuen Eishockey-Titel "EA Sports NHL 21" erwartet, wird möglicherweise enttäuscht werden. In der mittlerweile 30-jährigen NHL-Serie auf so gut wie jeder Game-Konsole zählt das Spiel zu jenen, die mit Neuerungen eher sparsam umgehen. Dennoch ist "EA Sports NHL 21" der bisher beste Eintrag in der "NHL"-Serie von Electronic Arts – und wartet mit Verbesserungen auf, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. 

Die Neuerungen lassen sich grob in zwei Bereiche einteilen: Einerseits wurde an zahlreichen technischen Schrauben gedreht, um den Realismus des Spiels zu erhöhen, andererseits wurde der Karriere-Modus deutlich ausgebaut. Doch der Reihe nach: Steigt man in die ersten Matches in "NHL 21" ein, wird man gleich mal von neuen und überraschend treffenden Analysen der Kommentatoren begrüßt. Die sind nun viel abwechslungsreicher als zuvor und ziehen Spieler gemeinsam mit den Hintergrund-Gejubel der Menge sofort in die Spiel-Atmosphäre.

Schlauere KI und neue Moves

Ist der Puck im Spiel, zeigt sich gleich die Verbesserung Nummer 2: Die Gegner-KI hat deutlich zugelegt. Spieler der konkurrierenden Mannschaft agieren jetzt nicht nur stur auf den Puck fixiert, sondern ziehen je nach Spielsituation entweder schlaue Verteidigungsreihen auf oder wagen in aussichtsreichen Momenten auch mal einen Alleingang auf unser Tor. Landet der Puck im Netz, gibt es nun auch neue Video-Wiederholungen aus verschiedenen Winkeln und dem Wechsel zwischen Zeitlupe und Normalgeschwindigkeit.

Statt einiger weniger Moves und Gesten verfügen die Spieler nun über weit mehr Jubel- oder Frustrationsposen, was das Geschehen noch ein Stück realistischer macht und für weniger sich wiederholende Szenen sorgt. Bei der Steuerung kamen insgesamt sieben neue Kombos dazu – sie auszuführen erfordert aber perfektes Timing und ist nichts für Anfänger. Sind sie aber einmal beherrscht, will man gar nicht mehr damit aufhören. Besonders spektakulär: Per Stick und L1-Taste (auf PlayStation 4) hebt man den Puck mit dem Schläger an – und versenkt ihn hinter dem Rücken des Torhüters im Netz.

Spielt wie die echten Superstars

Bei den Moves profitieren vor allem die bekannten Superstars, denn eine Reihe von Spielern hat dem Game ihren jeweiligen "Signature Move" verpasst. So ist es nun etwa möglich, den "No-Move-Move" von "Tampa Bay Lightning"-Stürmer Nikita Kucherov nachzuspielen. Bei diesem wird der Puck Richtung Keeper gespielt, mit dem Schläger abgedeckt und im letzten Moment ein Schuss angedeutet, der nicht durchgeführt wird. Hat man das Timing heraußen, schwebt der Puck spektakulär durch die Beine des Keepers hindurch ins Netz – genial! 

So sehr das Spiel Wert auf diese neuen Moves legt, langsamer ist das Gameplay dadurch nicht geworden, im Gegenteil. Durch die neue KI sind schnellere Pässe und erbittertere Zweikämpfe möglich. Die neuen Aktionen wie Slip-Dekes, Pässe über die Bande und Chips in den freien Raum erhöhen auch die Fehlerquote realistischer, was zu einem dynamischeren Wettkampf führt. Überbewerten darf man diese Neuerungen allerdings nicht: Wer "NHL 20" gespielt hat, wird sich sofort wieder heimisch fühlen und erst nach und nach die vielen kleinen Änderungen entdecken.

Mehr Neues abseits vom Eis

"NHL 21" ist auch dieses Jahr vollgepackt mit Modis, zwölf sind es an der Zahl, vom bekannten schnellen Spiel bis zur Absolvierung einer gesamten Saison. Neulinge können sich auf Wunsch zudem in ein Traininglager begeben, bis die doch sehr ausführlichen Steuerungs-Optionen halbwegs sitzen. Erweitert wurde der "Be A Pro"-Karrieremodus, bei dem Spieler eine eigene Figur aus einer Handvoll Modellen zusammenstellt, sich dann eine von drei kleinen Ligen auswählt und versucht, sie zum Superstar zu machen. Besonderheit: Der Spieler steuert nur seine Figur und sitzt, wenn es der Trainer sagt, auch mal auf der Bank.

In der Karriere kann man nun viel mehr abseits des Eis machen. Spieler müssen auf Fragen ihres Agenten eingehen, auch unangenehme Dialoge mit Reportern führen oder für Misserfolge vor dem Trainer geradestehen. Je nach gewählter Antwort entwickelt sich der Spieler dabei entweder zum geliebten Team-Kapitän oder bewunderten Superstar. Vorerst hat das nur Auswirkungen auf Verhandlungen bei Mannschaftswechsel und Marktwert, es ist aber gut möglich, dass hier künftig noch weitere Mechanismen umgesetzt werden.

Top trotz wenig Innovativem

Ebenfalls neu sind Spielmodis im Hockey Ultimate Team (HUT): HUT RUSH macht es nicht notwendig, ein gesamtes eigenes Team aufzubauen, sondern bietet 3-gegen-3- oder 5-gegen-5-Matches sowie Spiele mit Zeitlimits. Dabei geht es nicht nur um die Zahl der geschossenen Tore, sondern auch um Kreativität. Je eindrucksvoller und individueller nämlich genetzt wird, umso mehr Bonuspunkte lassen sich einheimsen. Außerdem können eigene Regeln umgesetzt werden, beispielsweise, dass die Partie bereits nach dem ersten Tor entschieden ist oder dass man statt Profis das Team-Maskottchen aufs Eis schickt. 

Grafisch hat sich letztlich am wenigsten getan: Die Spieler sehen eine Spur schärfer aus und bewegen sich etwas realistischer, gerade manche Gesichter in Nahaufnahme wirken aber teils etwas künstlich. Dafür nett: Vorbesteller bekommen ab 30. Oktober als Update "NHL 94 Rewind" spendiert. Der Retro-Modus zeigt sich mit den aktuellen Teams, aber mit der Grafik und der Steuerung des legendären Titels aus dem Jahr 1994. Einige kleine Neuerungen und keine Mankos: "EA Sports NHL 21" erfindet die Game-Serie nicht neu, ist aber das bisher beste "NHL"-Spiel der gesamten Serie.

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