Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo nimmt dramatische Ausmaße an. Bereits 1521 Menschen sind seit Ende April an dem Virus gestorben, die Zahl der bestätigten Infektionen liegt bei 3442. Die Todesrate beträgt erschreckende 44 Prozent - fast die Hälfte aller Erkrankten stirbt.
Besonders beunruhigend: Bei den meisten Neupatienten ist unklar, wo sie sich angesteckt haben. Die Kontaktnachverfolgung funktioniert nicht ausreichend, was die Eindämmung extrem erschwert.
"Es gibt leider im Moment kaum Anzeichen dafür, dass wir diese Epidemie besser, effektiver und früher stoppen können", sagte der Berliner Epidemiologe Maximilian Gertler dem Spiegel. Er war für Ärzte ohne Grenzen mehrfach im Ebola-Einsatz. Die Lage sehe dramatischer aus als zu Beginn der bislang schlimmsten Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika, bei der mehr als 11.000 Menschen starben.
Die Epidemie weitet sich räumlich immer mehr aus. Mittlerweile gibt es Fälle in fünf Provinzen, darunter an der Grenze zum instabilen Südsudan. Die WHO hatte bereits Mitte Mai den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.
Ein großes Problem ist, dass viele Erkrankte erst mit kritischen Symptomen in Behandlungszentren kommen. Zwei Drittel der Toten sterben zu Hause, ohne jemals in einer spezialisierten Einrichtung behandelt worden zu sein.
Die Sicherheitslage im Osten des Landes macht die Bekämpfung zusätzlich schwierig. Rebellen kontrollieren Teile der betroffenen Gebiete, Helfer werden immer wieder angegriffen. Viele Menschen misstrauen dem Gesundheitssystem und haben Angst, Erkrankte in Behandlungszentren abzugeben.
Gegen die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Variante des Ebolavirus gibt es noch keine gezielten Impfstoffe. Derzeit laufen aber Studien mit antiviralen Medikamenten. Experten warnen: Ohne massive Gegenmaßnahmen könnte der Ausbruch noch bis ins Jahr 2027 andauern und andere Länder erreichen.