Hinter den barocken Fassaden des Palais Obizzi am Schulhof 2 (Innere Stadt) befindet sich das Schmuckatelier von Goldschmiedin Stefanie Derhaschnig (36). Hier entwirft die Wienerin einzigartige Schmuckstücke, die trotz dem modernen Design durch ihre "Rohheit" bestechen.
"Ich wollte schon mit 17 Goldschmiedin werden", erzählt Derhaschnig. Die Liebe zum Handwerk entdeckte sie schon im zarten Alter von sieben Jahren, als sie ein Taschenmesser geschenkt bekam. "Damit habe ich zu schnitzen begonnen und habe bald gemerkt, wie toll es ist, mit den eigenen Händen zu gestalten und etwas zu schaffen", so Derhaschnig.
Schmuck sei für viele Menschen etwas sehr persönliches, emotionales und sei oft mit positiven Erinnerungen verbunden. Dass sie als Künstlerin hier "Teil" dieser Erinnerungen sein kann, sei für sie schon etwas sehr besonderes, sagt die Künstlerin.
Vom BWL-Studium zur Goldschmiedin
Weil ihre Eltern aber lieber wollten, dass ihre Tochter studiert, hat die Schmuckdesignerin zunächst das Studium der internationale Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen, danach in Brüssel und Barcelona gearbeitet. Also war BWL mehr Kopfentscheidung und das Goldschmieden der "Herzens-Job"? "Ja, das kann man so sagen", lacht die sympathische Künstlerin. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes begann Derhaschnig die Ausbildung an der Wiener Goldschmiedeakademie, die sie nach rund zwei Jahren abschloss.
Geschäft fast so eindrucksvoll wie der Schmuck
Im Schmuckatelier Obizzi fallen dem Besucher gleich beim Eintreten ein paar Dinge auf. Erstens die interessante Mischung aus Alt (dem Gebäude) und Neu (dem Schmuck, den Derhaschnig für die "Jetztzeit" entwirft. Zweitens der Pinguin am Verkaufstisch. "Jedes Schmuckstück hat zwei Punzierungen, eine Nummer, die über die Legierung Auskunft erteilt und ein Symbol, das quasi die Unterschrift des Künstlers ist. Und weil ich Pinguine schon immer geliebt habe, habe ich ihn zu meinem Punz-Zeichen gemacht", erklärt Derhaschnig. Was als drittens ins Auge fällt, ist die Werkband im Geschäft, an der die Designer an ihren Stücken arbeitet. Und dafür mehr Werkzeug benötigt, als man vielleicht vermuten würde. Neben Sägen, Feilen und diversen Hämmer zählt auch eine Streckbank für das Langziehen von Metalldrähten zur Ausstattung.
Alles Gold, was (nicht) glänzt
Hier übersetzt die Schmuckdesignerin ihre Ideen in (Fair Trade-)Gold. "Ich arbeite zu 80 oder 85 Prozent mit Gold, die je nach Legierung unterschiedliche Farben haben. Am liebsten habe ich Palladiumweißgold, weil es eine schöne Farbgebung hat und, weil kein Nickel enthalten ist, auch keine Allergien auslöst. Der Rest ist Silber, den ich mittels eines Oxidationsbades schwarz färbe", erklärt Derhaschnig. Der Prozess ist aufwendig, pro Ring arbeitet Derhaschnig zwischen acht und zehn Stunden.
Im Schmuckatelier ist tatsächlich alles, das glänzt, aus Gold. Allerdings auch einige Stücke, denen man das reine "Goldherz" auf den ersten Blick nicht an sieht. Denn die Designerin liebt den "rohen, archaischen Look".
"Rohheit schafft Schmuckstücke mit Charakter"
Durch die Kombination mit Edelsteinen, wie etwa Diamanten, Saphiren, Aquamarin oder Amethysten designt die Goldschmiedin Unikate, die die Herzen von Schmuckliebhabern höher schlagen lässt. So gibt es hier Stücke, die man bei anderen Goldschmieden oder Juwelieren umsonst sucht. "Andere Goldschmiede wollen gerne alles auf Hochglanz haben, für mich hat aber der rohe Look einen besonderen Charme", sagt Derhaschnig.
In ihrem Atelier verwendet die Goldschmiedin gerne "archaische Techniken". "Sehr gerne verwende ich beispielsweise Sepiaschalen, die ich als Gussform verwende. Dadurch zeichnet sich die Struktur der Innenseite wie ein Fingerabdruck auf dem Gold ab und ergibt eine ganz besondere Optik und Haptik", so Derhaschnig.
"Inspirationen gibt's überall"
Inspirationen für ihre besonderen Stücke findet die kreative Künstlerin überall. "Als ich 16 Jahre alt war, war ich in der Türkei auf Urlaub. Dort habe ich in den Nachthimmel geschaut und mir einen Glücksstern ausgesucht", schmunzelt Derhaschnig. Seither habe sie das Thema nicht mehr losgelassen. Daraus entstanden ist eine einzigartige Ringkollektion, die jedes Sternzeichen mit Hilfe von Gold und Diamanten vom Himmel auf den Finger holt.
Ideen findet die smarte Designer aber nicht nur im Himmel, sondern auch unter Wasser. So sind einige Schmuckstücke an die Struktur von Steinen angelehnt, die Derhaschnig beim Schnorcheln mit ihren Kindern entdeckt hat. Daneben überträgt Derhaschnig auch Alltagsgegenstände wie Schrauben und Muttern, "vom letzten Umsiedeln" oder Bilder, etwa von Paul Klee in edle Schmuckstücke und zeigt eindrucksvoll, dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.