Beinahe wären seine Bilder entsorgt worden. Jahrzehntelang lagerten Edward Hagedorns Werke in Kisten auf einem Dachboden in Kalifornien. Heute hängen sie in bedeutenden US-Museen – und nun erstmals in Europa: in der Villa Miralago in Pörtschach.
Manchmal schreibt der Zufall die besten Kunstgeschichten. Nach Hagedorns Tod 1982 wurden auf einem Dachboden in Kalifornien unzählige seiner Arbeiten entdeckt. Was beinahe verloren gegangen wäre, fand später seinen Weg in große amerikanische Sammlungen, darunter das Smithsonian.
In Europa ist Hagedorn dagegen bis heute nahezu unbekannt. Kurator John Walker will das ändern und zeigt sein Werk erstmals auf diesem Kontinent – in der 1893 erbauten Villa Miralago am Wörthersee.
Hagedorn verbrachte den Großteil seines Lebens in Kalifornien, künstlerisch war er jedoch stark von Europa geprägt. Expressionismus und Surrealismus ziehen sich durch sein Werk.
Gefällige Kunst war nicht seine Sache. Hagedorn beschäftigte sich mit Tod, Krieg, Gewalt und menschlichen Abgründen, schuf aber ebenso Landschaften, Akte und humorvolle, groteske Figuren. Besonders eindringlich sind seine Bilder gegen den Krieg oder die Darstellung eines schreienden Menschen in höchster Not.
Kurator John Walker fasziniert vor allem Hagedorns kompromissloser Blick: Der Künstler wollte die Dinge ohne Filter sehen und "direkt ins Zentrum der Dinge vorstoßen".
So düster viele Arbeiten wirken, Hagedorn konnte auch spielerisch sein. Seine bunten Monsterchen zeigen das ebenso wie eine Darstellung von Migräne: Ein Kopf wird von einer ganzen Horde kleiner Plagegeister bedrängt.
Eine große Erbschaft ermöglichte Hagedorn ein finanziell unabhängiges Leben. Den klassischen Kunstbetrieb brauchte er nicht – und interessierte sich offenbar auch wenig dafür. Er wollte frei arbeiten und sich von niemandem hineinreden lassen.
Genau diese Haltung passt zur neuen Ausrichtung der Villa Miralago. Hausherr Christopher Rhomberg möchte das historische Haus nicht nur als Hotel, sondern auch als offenen Ort für Kunst und Kultur etablieren – möglichst frei von starren Vorgaben.
Hagedorn hätte das vermutlich gefallen. Mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Tod führt ihn sein Weg nun doch noch nach Europa.
Vom kalifornischen Dachboden an den Wörthersee – ein ziemlich spätes, aber bemerkenswertes Comeback.