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Eigene Partei will May das Misstrauen aussprechen

Regierungskrise in London und kein Ende. Theresa May steht jetzt ein Misstrauensantrag aus der eigenen Partei ins Haus.
Heute Redaktion
13.09.2021, 18:57

Der Antrag soll schon am kommenden Dienstag gestellt werden, melden britische Medien. Insgesamt 20 abtrünnige Torys haben sich bis Freitag bereits öffentlich zu ihrem Misstrauen bekannt.

Der Rädelsführer

Der einflussreiche Tory-Hinterbänkler Jacob Rees-Mogg steht hinter dem Aufstand. Rees-Mogg – ein sechsfacher Vater, Multimillionär und Katholik – leitet eine Gruppe von rund 80 Brexit-Hardlinern in der Fraktion. Damit die Vertrauensabstimmung stattfinden kann, sind 48 entsprechende Briefe von Parlamentariern aus Mays Partei notwendig. Diese Zahl ist inzwischen erreicht, berichtet der Chefredakteur des Newsletters „Brexit-Central" unter Berufung auf einen Insider, der in der Vergangenheit immer verlässlich gewesen sei.

Unklar ist, ob die Hardliner-Gruppe May wirklich stürzen kann. Sie braucht dafür eine Mehrheit der 315 konservativen Abgeordneten. Eine Misstrauensabstimmung kann nur einmal pro Jahr stattfinden. Sollte May als Siegerin hervorgehen, wäre ihre Position zunächst gefestigt.

Keine Wetten auf May

Ein untrügliches Indiz, dass die Probleme für May zunehmen: Beim Wettbüro William Hill kann man nicht mehr darauf wetten, in welchem Jahr sie May ihr Amt verlassen würde, gab ein Sprecher des Unternehmens am Freitag bekannt. "Nach der Pressekonferenz am Donnerstag dachten wir, dass Theresa May ihren Job gerettet hat. Das ist aber vielleicht nicht mehr der Fall".

Die Unterstützer

Aber es gibt auch Unterstützung für die angeschlagene Premierministerin: Umweltstaatssekretär Michael Gove – bisher immer ein äußerst unsicherer Kantonist – wird in seiner Position bleiben, wurde am Freitag bekannt. Er gehörte ebenfalls zu jenen Personen, von denen sich viele einen Rücktritt erwartet hatten. Auch zwei weitere Minister, Penny Mordaunt und Andrea Leadsom, haben sich dazu entschlossen, in Mays Kabinett zu bleiben.

May will jedenfalls weiterhin am Brexit-Abkommen mit der EU festhalten. „Ich glaube mit jeder Faser meines Seins, dass der Kurs, den ich vorgegeben habe, der richtige für unser Land und unser ganzes Volk ist", sagte sie bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend.

(red)

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