- Er arbeitet dort, wo andere einfach nur mehr Angst haben: Hunderte Meter über dem sicheren Boden - Seine Frau bangt täglich um sein Leben - er sagt: Wenn du es richtig machst, ist es nicht gefährlich!
Wer putzt Fenster von Österreichs höchsten Wolkenkratzern, wer bringt Werbetransparente am Donauturm an, wer traut sich, 240 Meter über dem Boden hochexplosive Sprengladungen anzubringen? Es sind Industriekletterer! Gottfried Marischka (43) ist einer von ihnen, fast täglich riskiert er sein Leben - großteils für Arbeiten, von denen niemand weiß. So reinigen er und seine elf Mitarbeiter der in Alland (Baden) situierten Firma etwa die Öfen von Müllverbrennungsanlagen. Das heißt: klettern in enge, dunkle Schächte - mit voller Schutzausrüstung und null Sicht und bei Temperaturen, wo du ohne zentimeterdicke Schutzhandschuhe dein Werkzeug nicht angreifen kannst, so heiß ist das. Wenn Marischka aus seinem riskanten Berufsleben plaudert, tut er das so, als ob er vom Anglerausflug am Wochenende spräche. Wir machen auch viele sogenannte Gefahr-in-Verzug-Arbeiten, sagt er lapidar, um die gefährlichen Baumschnitt-Arbeiten nach Unwettern und Stürmen (wie denen der vergangenen Tage) zu beschreiben.
Wirklich wahrgenommen wird der Alltagsheld nur, wenn er medienwirksame Einsätze hat. Zuletzt hat er Österreichs höchstes Bauwerk, den veralteten Sendemast am Bisamberg, gesprengt.Lisa Steiner