Die lodernde Flamme des Mega-Soundfestivals ist für uns nicht mehr als ein verhungertes Lichtlein. Die Trackshittaz haben beim Semifinale Dienstagnacht in Baku ausgewackelt, der Showdown steigt wieder einmal ohne Austro-Beitrag. Der Spaß war kurz, aber dafür teuer. Und trotz großer Häme will der ORF 2013 wieder live dabei sein.
Bei einer "Heute.at"-Umfrage sind 75 % der User der Meinung, die Trackshittaz seien die falsche Wahl für den Song Contest gewesen.
2006 bezeichnete Ex-ORF-Programmchef Reinhard Scolik den Song Contest als "Skurrilitäten-Wettbewerb", der für die heimische Musikszene "völlig irrelevant" sei. Wer das Gipfeltreffen der dünnen Stimmchen, Spaßkanonen und Hobby-Nudisten Dienstagabend gesehen hat, gibt ihm Recht.
Erstaunlich nur, dass der ORF seine Meinung trotz der streng geheimen, aber enormen Kosten für die Teilnahme (z.B. der Anteil für die Produktionskosten der EBU) geändert hat. Auf Nadine Beilers geschmettertes Pathos 2011 folgte heuer Locker-Flockiges - nur, dass die Trackshittaz mit ihrer sinnentleerten "Woki mit deim Popo"-Show halt schon im Halbfinale (676.000 ORF-Fans) scheiterten.
Kein Grund zur Resignation
Für Lukas und Manuel - er verletzte sich auf der Bühne übel das Knie - kein Grund zur Resignation: "Wir holen uns schon noch, was uns zusteht!" Für den ORF schon gar nicht: "Ich glaube, dass es unsportlich wäre (…). Wir werden da schon dranbleiben", so Unterhaltungschef Edgar Böhm live in Baku. Trotz der Pleite werden wir noch bis Samstag mit Song Contest satt beschallt, schließlich wurden etliche Haus- und Hof-Journalisten ans Kaspische Meer gekarrt.
Mit den Side-Events läppert sich da locker eine Million Euro zusammen. Viel zu viel, um im Halbfinale auszuscheiden. Und als wäre das nicht genug, zerreißt uns die internationale Presse. Der Schweizer Blick ist sich sicher: "Der Beitrag ist für den Arsch." Lustig, aber noch übler: Die TAZ bezeichnet die Trackshittaz als "Analerotiker". Vielleicht tragen ja die ab Juni erhöhten ORF-Gebühren ein wenig dazu bei, das Feuer des Spektakels wieder anzufachen.
Maria Dorner