Ein "Verrückter" dirigierte Italien zum EM-Triumph

Roberto Mancini (r.) in Ekstase
Roberto Mancini (r.) in EkstaseImago
Italien ist Europameister – zum ersten Mal seit 1968. Architekt des Erfolgs ist Roberto Mancini, der vor drei Jahren einen Scherbenhaufen übernahm.

2018 erlebte der italienische Fußball eine Mega-Blamage. Die "Squadra Azzurra" verpasste die Quali für die WM – und startete einen Neuanfang. Roberto Mancini löste Gian Piero Ventura als Coach ab. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Mancini hielt zwar am Kern der "alten" Mannschaft fest, änderte aber ihren Spielstil. Und: Er brachte den Spaß zurück. Italien verabschiedete den klassischen Catenaccio, eignete sich einen offensiven Charakter an. Seit mittlerweile 34 (!) Spielen ist Italien ungeschlagen, erzielt im Schnitt fast 2,5 Tore pro Spiel.

"Der EM-Triumph kann eine Wiedergeburt für den Fußball und das ganze Land sein", hatte Mancini vor der EM-Endrunde gesagt. Seine Spieler wissen bereits seit drei Jahren, dass für den Strategen an der Seitenlinie der Titel das Ziel ist.

"Für verrückt gehalten"

"Wir haben ihn anfangs für verrückt gehalten, als er uns gesagt hat, dass wir uns in den Kopf setzen sollen, die EM zu gewinnen", erzählt Abwehr-Gigant Chiellini. "Nur ein Verrückter hat vor drei Jahren an uns geglaubt, und das war der Trainer", legt Bernardeschi nach.

Wie wichtig Mancini das Teamgefüge ist, bewies ein Wechsel im Match gegen Wales. Der 56-Jährige tauscht im Finish Goalie Donnarumma aus, bringt Keeper Salvatore Sirigu. Grund: Der Coach will, dass möglichst alle Kader-Mitglieder zum Einsatz kommen. Mancini will seinen Kickern nämlich jenes Schicksal ersparen, das ihn selbst ereilt hat: Er stand bei der WM 1990 keine einzige Sekunde am Platz. Eine Tatsache, die bis heute an ihm nagt. Nebeneffekt: Sirigu hat nun auch seinen Anteil am Zu-Null-Rekord, den erst ÖFB-Stürmer Sasa Kalajdzic nach 1.144 Minuten brach.

Lob von Legenden

"Ideen wie seine hat man beim Nationalteam noch nie gesehen", sagte unlängst Gennaro Gattuso, italienischer Weltmeister von 2006. Ex-Teamchef Arrigo Sacchi sieht in ihm gar den Trendsetter für ein ganzes Land: "In kürzester Zeit hat er es geschafft, einen modernen Fußball einzuführen. Ich hoffe, dass er alle italienischen Trainer in dieselbe Richtung gehen lässt."

Nicht unwichtig für stolze Italiener: Mancini weiß sich auch gut zu kleiden. Der Slimfit-Anzug sitzt, die Krawatte ist stets sauber gebunden. Die britische "Sun" inszenierte ihn auf einer Doppelseite als Model. Das war freilich vor dem Finale. 

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