Wiener ließ 38 Katzen allein in Mini-Wohnung verkümmern

38 Katzen lebten auf kleinstem Raum, der Mieter der Wohnung zog einfach aus und überließ sie ihrem Schicksal.
38 Katzen lebten auf kleinstem Raum, der Mieter der Wohnung zog einfach aus und überließ sie ihrem Schicksal.TierQuarTier
Ein Tier pro Quadratmeter! So mussten 38 Kätzchen ohne Nahrung in einer Messie-Wohnung hausen. Vor Hunger nagten sie die Möbel an.

Bestialischer Gestank, der aus einer kleinen Mietwohnung in Wien-Landstraße drang, deckte nun einen schlimmen Fall von Animal Hoarding – also Tiersammelsucht – auf: Der Gestank und der Umstand, dass er den Wohnungsmieter tagelang nicht mehr gesehen hatte, ließ den Vermieter die Behörden alarmieren. Denn der Mann war vor ein paar Jahren mit zwei Katzen eingezogen, der Vermieter sorgte sich daher auch um das Wohl der Tiere. Am 6. Oktober wurde die Wohnungstüre schließlich behördlich geöffnet – und daraufhin sofort die Tierrettung gerufen. 

Aus zwei wurden 38 Stubentiger

Denn was man in der kleinen Wohnung tatsächlich vorfand, verschlug selbst den erfahrenen Amtstierärzten und Tierrettern die Sprache: "Der gesamte Boden der Wohnung war mit Urin, Kot und Erbrochenem der Katzen beschmutzt, die kleine Dusche hatte einer der Katzen offensichtlich kurz davor noch als Geburtsstätte gedient", so Evelyn Horak, Sprecherin des Wiener TierQuarTier, zu "Heute". Aus den – offensichtlich nicht kastrierten – zwei Katzen vom Einzug des Mieters waren im Laufe der Zeit 38 (!) geworden, die sich auf engstem Raum tummelten und offenbar seit Tagen nicht versorgt wurden.

In stundenlanger Arbeit konnte die Tierrettung der Stadt Wien schlussendlich die 38 Katzen aller Altersstufen aus den furchtbaren Haltungsbedingungen bergen. Ein neugeborenes Kitten – die Nabelschnur hing noch am kleinen Körper – fanden die Hilfskräfte leider bereits verstorben vor. Alle anderen Samtpfoten wurden umgehend ins TierQuarTier Wien gebracht und tierärztlich versorgt.

Katzen knabberten in ihrer Not Möbelstücke an

"Alle Katzen wiesen einen schlechten Ernährungszustand auf, einige der Vierbeiner waren bereits stark abgemagert, dehydriert und verletzt. Beinahe alle Stubentiger hatten abgebrochene Zähne, was vermutlich vom Anknabbern der Möbelstücke und des Mülls aus reiner Hungersnot herrührte. Man muss davon ausgehen, dass die Regeneration der schwachen Samtpfoten mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen wird, bevor sie auf neue Plätze vermittelt werden können. Nachdem alle Katzen unkastriert waren, ist zu befürchten, dass weiterer Nachwuchs unterwegs ist", so Horak weiter.

Was ist Animal Hoarding?

Unter "Animal Hoarding" versteht man das krankhafte Sammeln von lebendigen Tieren. Die Halter können die Tiere nicht angemessen versorgen, nehmen das selbst aber in den meisten Fällen nicht wahr, sondern glauben sogar die einzige Rettung für ihre Tiere zu sein. Jedoch ist das Gegenteil der Fall, weiß Thomas Benda, Betriebsleiter des TierQuarTiers: „das traurige Resultat der falsch verstandenen und gelebten Tierliebe sind oftmals komplett verwahrloste und kranke Tiere, die über mehrere Wochen oder sogar Monate medizinisch betreut werden müssen und in den schlimmsten Fällen nie wieder genesen.“

Erst vergangenen Sommer wurden 62 Katzen aus einer kleinen Wohnung in Wien-Brigittenau gerettet und ins TierQuarTier gebracht. Aufgrund der intensivmedizinischen Betreuung und der aufopfernden Pflege der Stubentiger haben alle bis auf eine Katze das Martyrium überlebt und konnten mittlerweile zu ihren neuen Familien ziehen.

TierQuarTier bittet um Spenden

Aufgrund des aktuellen Falls ist das TierQuarTier nun verstärkt auf Spenden angewiesen. Hier geht’s zum Spendenprojekt für die 38 geretteten Katzen.

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