Eine Kerze für Neustadt: Aus mit diesen Zuständen

Die Anteilnahme nach dem gewaltsamen Tod von Manuela ist enorm. Bei der Nordspange ist ein Riesen-Graffiti entstanden, für Samstag und Montag sind zwei Veranstaltungen geplant.
Am heutigen Samstag kommt es in Wr. Neustadt zu einem Trauermarsch - am Hauptplatz werden dann für Manuela († 16) Kerzen angezündet ("Heute" berichtete), auch am Montag, 21. Jänner, kommt es am Abend zu einer Mahnwache im Wodica-Park, dem Fundort der Leiche. Namen wie "Unbequem" oder "Defend 2700" kursierten im Netz, "Heute" fragte bei einem der treibenden Kräfte von "Eine Kerze für Wr. Neustadt" nach, hier die Antwort, was falsch läuft und warum es am Montag eine Mahnwache geben wird.

Das steht dahinter

"Ein 'uns' in Form einer Organisation oder einer wie auch immer gearteten Struktur gibt es nicht. Das schreckliche Verbrechen von letztem Sonntag hat in Wr. Neustadt und der Umgebung sehr viele Menschen erschüttert und in einem gewissen Maß auch wachgerüttelt. All diese Menschen wollen ihre Anteilnahme ausdrücken, wollen trauern, und wollen gleichzeitig auch zeigen, dass es ihnen reicht, dass sie den im alltäglichen Leben gefühlten Anstieg von Gewalt seit 2015 nicht mehr hinnehmen wollen, und dass sie mit den systematischen Vorgängen, die diese Gewalt erst möglich gemacht haben, nicht einverstanden sind", schreibt Michael W. (Name bekannt, auf Wunsch geändert)

Für Montag sei laut Michael W. folgendes geplant: "Bei solch tragischen Fällen wie dem Tod von Manuela K., gibt es Stimmen und Stimmungen, die sich mit den gewohnten Mitteln der Trauerarbeit nicht mehr ausdrücken lassen, doch auch diese Stimmen und Stimmungen wollen gehört werden. Da in einem demokratischen Staat auch das Mittel der Kundgebung dem Ausdruck des Wollens eines Teiles der Bevölkerung dienen kann, haben wir uns nun für eben diese Ausdrucksform entschieden und werden an der Kundgebung teilnehmen. Wir hoffen natürlich auf zahlreiche Teilnahme und verwehren uns gleichzeitig gegen die Vereinnahmung durch politische Interessensgruppen. 'Defend2700' ist jedoch in keiner Weise in die Planung der Kundgebung involviert."

Sellner vor Ort

Auch Martin Sellner (30), einer der führenden Akteure bei den Identitären, war bereits im Wodica-Park, drehte dort ein Video für seinen You-Tube-Kanal, rechnete knallhart mit der letzten Regierung ab: "Der Täter kam über eine Ketten-Migration, unter dem Deckmantel der Familienzusammenführung." Auch der politische Aktivist könnte bei der Mahnwache am 21. Jänner dabei sein.

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Zu den Kritikpunkten meint Michael W.: "Wir wollen ein Ende der Zustände, die solche Verbrechen möglich machen. Es ist eine unfassbare Tatsache, dass der Mörder von Manuela K. nicht früher aufgehalten werden konnte, wo er doch als Gewalttäter bekannt war. Es gibt Fotos von ihm mit IS-Gesten, von seinem (sich in Haft befindlichen) Bruder, wie dieser mit einem Sturmgewehr hantiert. Wohl gemerkt in Zivilkleidung, nicht in der Uniform von Streitkräften. Es ist eine unfassbare Tatsache, dass diese und ähnliche Personen nicht nur nicht ausgewiesen wurden, sondern dass sie von politischen Lobbyisten sogar bewusst und in großem Stile ins Land geholt werden."

Martin Sellner, Sprecher der rechtsextremen "Identitäre Bewegung" bei einem Aufmarsch in Berlin. Auch er war bereits in Wr. Neustadt im Wodica-Park.
Martin Sellner, Sprecher der rechtsextremen "Identitäre Bewegung" bei einem Aufmarsch in Berlin. Auch er war bereits in Wr. Neustadt im Wodica-Park.
Und was ist "Unbequem"? (Anm.: Der Name tauchte im Zusammenhang mit der Mahnwache immer wieder auf). "'Unbequem' als Name oder Branding lasen wir (daher alle dazu befragten Bekannten) erst im Rahmen dieser Angelegenheit in den Online-Medien. Daher kann ich nicht beantworten wer oder was das ist", so Michael W. Auf Facebook gibt es einen Auftritt von "Unbequem", 2017 flatterte ein Flyer "unbequem - Der freie Bote" in die Postkästen der Wiener Neustädter – die Bezirksblätter berichteten bereits vor knapp 2 Jahren darüber – hier der Link.

(Lie)

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