Einfache OP-Masken schützen doch – vor allem den Träger

Einfache OP-Masken schützen sehrwohl.
Einfache OP-Masken schützen sehrwohl.picturedesk.com (Symbolbild)
Lange hieß es: Einfache Masken bringen wenig und schützen wenn überhaupt das Gegenüber. Forscher kommen nun zum gegenteiligen Schluss.

Kaum hatte das Coronavirus Europa erreicht, wurden auch schon die zertifizierten Masken knapp. Stattdessen gab es überteuerte Angebote aus China, deren Wirksamkeit unbekannt war. Gerade für Mediziner war das ein großes Problem.

Um die Patienten und sich selbst keinem Risiko auszusetzen, untersuchten Frank Günther, Leiter Spitalhygiene, und seine Kollegen die gelieferten Produkte zunächst einmal. Anders als bei genormten Testmethoden, bei denen nur das Material geprüft werde, hätten sie bei ihren Untersuchungen auch den Sitz der verschiedenen Mund-Nase-Bedeckungen berücksichtigt, der hinsichtlich Schutz eine grosse Rolle spiele. Dabei seien sie auf "erhebliche Unterschiede" gestoßen, so Günther.

Die Ergebnisse zu Hygiene-, FFP2- und FFP3- sowie Stoffmasken werden gerade zur Publikation in einer Fachzeitschrift vorbereitet.

Deutliche Reduktion von Aerosolen

Erste Erkenntnisse teilt der Hygieniker vorab auf FAZ.net: Demnach gelten die einfachen OP-Masken als erstaunlich effizient. Weil sie weich sind und sich gut an die Kopfform anpassen, kann kaum Luft an den Seiten oder neben den Nasenflügeln entweichen. Das zeigen die Zahlen deutlich: Aerosole wurden um deutlich mehr als 50 Prozent reduziert, Tröpfchen um mehr als 70.

Starrere Masken, die schlechter am Gesicht anlagen, brachten es zum Teil auf nur 20 Prozent Filterleistung, wie die FAZ schreibt. Und das, obwohl es sich dem Aufdruck nach um KN95-Produkte (der chinesische Massstab soll dem in Europa gebräuchlichen FFP2 entsprechen) handelte.

Mehr Eigen- als Fremdschutz

Weiter zeigte sich, dass OP-Masken – anders als zu Beginn von offiziellen Stellen und heute noch von vielen Maskengegnern behauptet – sehr wohl auch die Träger schützen. "Für uns Krankenhaushygieniker ist das schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit", zitiert die FAZ Günther.

Entsprechend überrascht sei er von den gegenteiligen Aussagen gewesen, zu denen er eine deutliche Meinung hat: "Es ist eines zu sagen: Wir haben nicht genug Masken, um die ganze Bevölkerung damit auszustatten. Man kann aber nicht erzählen, die seien sowieso nur für den Fremdschutz da, und Monate später sagen, es bringt jetzt doch etwas für mich. Da geht Glaubwürdigkeit verloren."

Von böser Absicht geht der Experte aber dennoch nicht aus, vielmehr von einem Missverständnis, das laut ihm daher rühren könnte, dass medizinische Hygienemasken für die Zulassung nach einer europäischen Norm nur hinsichtlich Fremdschutz getestet werden. Tatsächlich sei der Eigenschutz sogar höher, weil beim Einatmen die Maske an das Gesicht angesaugt werde und damit besser abdichte als beim Ausatmen.

Viren sind nicht zu klein für die Masken

Der nachgewiesene Schutz verstärke sich, wenn in einem Gespräch beide Personen eine Maske aufhaben, erklärt Spitalhygieniker Günther gegenüber der FAZ: «Wenn jede Maske die durchgehenden Partikel um 60 Prozent reduziert, bleiben am Ende nur 16 Prozent übrig.» Das Ansteckungsrisiko wird durch Masken also deutlich minimiert.

Das gilt auch für Viren, die wie Sars-CoV-2 nur winzige 0,1 Mikrometer klein sind und damit kleiner als die in den Tests erzeugten Aerosole. Denn: Einzeln können die Viren nichts ausrichten. Sie trocknen schnell aus und verlieren ihre Infektiosität. Erst wenn sie geballt und gebunden an Proteine, Schleim- und Wassertröpfchen auftreten, wird es problematisch, so Günther. Doch «die sind grösser und werden sehr wohl im Gewebe einer Maske zurückgehalten».

Entsprechend sei an dem von Maskengegnern gern vorgebrachten Argument, OP-Masken könnten das mikroskopisch kleine Coronavirus nicht aufhalten, nichts dran – vorausgesetzt, die Mund-Nase-Bedeckungen sitzen richtig.

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