Politik

Einsatzfähigkeit des Heeres laut Hofburg gefährdet

Brisanter Streit mitten im Ukraine-Krieg: In einer internen Mail sieht die Präsidentschaftskanzlei die Einsatzfähigkeit des Bundesheers gefährdet.
Rene Findenig
08.03.2022, 20:24

In der Mail schreibt laut "Standard" der frühere Verteidigungsminister Thomas Starlinger – heute Adjutant von Bundespräsident Alexander Van der Bellen – an hohe Beamte im Verteidigungsministerium, dass er eine große Gefahr für "die zukünftige Einsatzführung des österreichischen Bundesheers" sehe. Grund seien die geplanten Reorganisationen des Bundesheers durch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). 

Gefährde "praktikable Einsatzführung im höchsten Ausmaß"

Bei der Reform sollen auf fünf Sektionen des Heeres nur noch drei Generaldirektionen werden, zwei davon unter ziviler Führung. Starlinger beklage dabei laut Bericht, dass man operative, strategische und taktische Ebenen einfach miteinander verschmelze – etwas, dass man international noch nirgends funktionierend gesehen habe. Außerdem hätten Starlinger Kommandanten und Direktoren bestätigt, dass die vielen geplanten Direktorate die Arbeitsbeziehungen verkompliziere.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Auch, dass die Direktorate auf drei Standorte – Wien, Graz und Salzburg – aufgeteilt werden sollen, gefährde "eine praktikable Einsatzführung im höchsten Ausmaß", wird Starlinger zitiert. Dass im Kriegs- und Konfliktfall zudem das Ministerium auf Videokonferenzen setzen wolle, könne nur als im höchsten Maße "unzuverlässig beurteilt werden", heißt es weiter. Offiziell heißt es von der Präsidentschaftskanzlei dagegen, dass es mit dem Ministerium "konstruktive Gespräche" gebe.

"Match zwischen Starlinger und Rudolf Striedinger"

Auch vonseiten der Verteidigungsministerin verweist man darauf, dass man laufend in Abstimmungen zu dem Thema sei. Im Bericht heißt es wiederum, dass von einem "Match zwischen Starlinger und Rudolf Striedinger" ausgegangen werde. Striedinger ist Tanners Kabinettschef sowie GECKO-Vorstand und soll es ebenso wie Starlinger auf die Position des Generalstabchefs abgesehen haben, die im Juni 2022 besetzt wird.