Kati Witt ist die größte Eiskunstläuferin Deutschlands. Sie holte 1984 und 1988 Olympia-Gold, hinzu kommen gleich vier WM-Goldmedaillen – alle für die DDR. 1994 war sie dann nach der Wiedervereinigung Deutschlands Olympia-Siebte in Lillehammer geworden.
Dabei wurde Witt, heute 60 Jahre alt, vom Ministerium für Staatssicherheit lückenlos überwacht. Und das ging sogar bis ins Schlafzimmer und bis hin zum Liebesleben der Eis-Prinzessin.
So zitiert die deutsche "Bild" aus dem Stasi-Akt über Witt: "Zwischen 6 Uhr und 6,18 Uhr kam es zum Geschlechtsverkehr." Das Liebesleben der jungen Athletin, einem Star in der DDR, war ebenso penibel festgehalten worden, wie nahezu jeder andere Schritt der Eiskunstläuferin. Genauso überwacht wurde auch ihr Umfeld, ihre Familie.
Die ersten Stasi-Einträge über Witt gab es bereits, als die Ostdeutsche noch ein Kind, gerade einmal sieben Jahre alt war. Damals unter dem Eintrag "OV Flop", die Abkürzung steht hier für "Operativer Vorgang". Fortan wurde sie beinahe auf Schritt und Tritt überwacht. Auf der anderen Seite genoss sie freilich Förderungen des Regimes. Sie soll sogar einen Deal vereinbart haben: Erst die zweite Olympia-Goldmedaille 1988, dann hätte sie Profi in den USA werden dürfen, heißt es. 80 Prozent ihrer Gage habe sie dann aber abgeben müssen.
Witt, damals als das "schönste Gesicht des Sozialismus" bezeichnet, stand auch für das System. Das passte nicht allen. "Ich war eine stolze DDR-Bürgerin", betonte Witt. "Dass ich so weit gekommen bin, hat mir der Staat ermöglicht. Meine Eltern hätten mir meine Eiskunstlauf-Karriere niemals finanzieren können", sagt sie weiterhin. Auch wenn die Überwachung bis ins Schlafzimmer gegangen war.
Heute betreibt die 60-Jährige ein Fitnessstudio in Potsdam.