Elon Musks Raketenstart in letzter Sekunde abgesagt

Alles war bereit, die erste bemannte Mission seit über neun Jahren aus den USA hätte um 22:32 Uhr starten sollen. Dann durchkreuzte schlechtes Wetter den Plan.

Aufgrund schlechter Wetterbedingungen ist der bemannte Raumflugtest zweier US-Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS verschoben worden. Rund eine Viertelstunde vor dem geplanten Start wurde der Test am Mittwoch vorerst abgesagt, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte.

Über dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida waren dunkle Wolken zu sehen und es regnete. Der Wettervorhersage zufolge hatte die Chance auf einen Start zuvor bei 60 Prozent gelegen, wie die Nasa mitgeteilt hatte. Ein nächster Startversuch könnte am Samstag stattfinden.

Alles wäre bereit gewesen

Die US-Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley sollen mit einer Falcon 9-Rakete in einer Crew-Dragon-Raumkapsel zur Internationalen Raumstation starten – rund neun Jahre, nachdem zuletzt Astronauten von den USA aus zu der Raumstation gestartet waren. Weltweit wurde der Start mit Spannung erwartet.

Es ist eine der ironischen Wendungen der Weltgeschichte: Zu ihrem wohl teuersten Bauwerk haben die US-Amerikaner ohne die Russen seit neun Jahren keinen Zugang mehr. Nur russische Sojus-Raumschiffe transportierten noch Astronauten zur hauptsächlich von den USA finanzierten Internationalen Raumstation (ISS).

Die Astronauten starten nicht an Bord eines Raumschiffs der Nasa, sondern in deren Auftrag in einem von der Firma Spacex entwickelten Crew-Dragon-Transporter und einer Falcon-9-Trägerrakete. Es wäre die erste bemannte Mission eines kommerziellen Raumfahrtunternehmens und ein Triumph für Spacex-Chef Elon Musk.

19 Stunden nach dem Start sollten die beiden Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley in der Crew-Dragon-Raumkapsel an der ISS andocken.

Behnken (49) und Hurley (53) sind zwei Nasa-Veteranen des Space-Shuttle-Programms. Hurley ist verheiratet und hat einen Sohn. Vor dem ersten bemannten Teststart mit einer Raumkapsel seines Unternehmens SpaceX hat der Unternehmer Elon Musk den Familien der beiden Astronauten versichert, alles für deren Sicherheit getan zu haben. Als er die Familien von Robert Behnken und Douglas Hurley vor dem Start getroffen habe, habe er die Verantwortung eines bemannten Tests noch stärker gespürt, sagte Musk bei einem gemeinsamen Interview mit Nasa-Chef Jim Bridenstine, das die Nasa am Mittwoch im Livestream zeigte.

Rund einen Monat sollen Behnken und Hurley an Bord der ISS bleiben – deutlich länger als geplant, denn die Raumstation ist derzeit mit den beiden Russen Anatoli Iwanischin und Iwan Wagner sowie dem Nasa-Astronauten Christoper Cassidy zu knapp besetzt. Der Crew Dragon hat Platz für insgesamt sieben Personen und ist damit größer als die amerikanische Apollo- oder die russische Sojus-Kapsel. Das Innere des Crew Dragon sei anders ausgestattet als alle seine Vorgänger, schreibt die "New York Times". Statt unzähliger Knöpfe und Schalter würde der Transporter über Touchscreens kontrolliert.

Tourismus und Dreharbeiten

Auch die Raumanzüge aus Teflon unterscheiden sich um einiges von denjenigen der Nasa. Spacex-Chef Musk soll sie von einem Kostümdesigner aus Hollywood entwerfen und von seinen Ingenieuren fertigen gelassen haben. Dies sei der letzte Flugtest des Crew Dragon, schreibt die New York Times. Ist er erfolgreich, "wird die Nasa Spacex für reguläre Flüge zur Weltraumstation zertifizieren".

Elon Musk steht laut Frankfurter Allgemeine Zeitung für "New Space", für eine neue Art des Raumfahrtunternehmertums. Die Raumfahrt insgesamt kommerzialisiert sich, es gibt im All zunehmend Geld zu verdienen. So hatte die Nasa letztes Jahr angekündigt, dass mit den privaten US-Shuttles künftig auch Touristen und andere Interessenten zur ISS gebracht werden. "Die Nasa öffnet die Internationale Raumstation für kommerzielle Möglichkeiten und vermarktet diese, wie wir es noch nie zuvor gemacht haben", hatte Finanzchef Jeff DeWit gesagt.

So passt es ganz ins Bild, dass Nasa-Chef Jim Bridenstine kürzlich angekündigt hat, ein Hollywood-Projekt auf der ISS realisieren zu wollen. Und Tom Cruise hat soeben bekanntgegeben, er wolle für die Dreharbeiten auf der ISS den Regisseur Doug Liman ("Die Bourne Identität") an Bord verpflichten.

Die USA haben ehrgeizige Pläne im Weltraum. US-Präsident Donald Trump hatte angekündigt, 2024 mit dem Artemis-Programm wieder bemannt zum Mond fliegen zu wollen. Die erste Frau auf dem Mond in der Geschichte der Menschheit soll eine Amerikanerin sein.

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