Elternpaar vermisst – Sohn gilt als Hauptverdächtiger

Auch am 26. Januar 2021 suchten Taucher und Mitglieder des Landesfeuerwehrverbandes Südtirol nach den Vermissten. Bislang erfolglos.
Auch am 26. Januar 2021 suchten Taucher und Mitglieder des Landesfeuerwehrverbandes Südtirol nach den Vermissten. Bislang erfolglos.Facebook/Landesfeuerwehrverband Südtirol
Von einem Elternpaar aus Bozen fehlt seit Wochen jede Spur. Inzwischen hat die Polizei den 30-jährigen Sohn im Visier.

Das Verschwinden des Ehepaares Laura Perselli und Peter Neumair aus Bozen bleibt für die Polizei ein Rätsel. Anfänglich hatten die Behörden es als einen Vermisstenfall behandelt. Sie vermuteten, den beiden könnte etwas während eines Spaziergangs zugestoßen sein. Doch inzwischen gilt es als Mordfall - und der 30-jährige Sohn Benno Neumair steht im Mittelpunkt der Ermittlungen. Die wichtigsten Fragen zum mysteriösen Fall:

Wie sind Peter Neumair und Laura Perselli verschwunden?

Die 68-jährige Laura Perselli und der 63-jährige Peter Neumair verschwanden am Abend des 4. Januars. Sie hinterließen keinen Abschiedsbrief, ihre Handys sind seit dem Tag ausgeschaltet. Niemand hat sie gesehen. Die Carabinieri nahmen die Suche auf. Tage später entdeckt ein Mitglied der Spurensicherung einen Blutfleck auf einer Brücke über den Fluss Etsch.

Ein Wunder, denn in der Zwischenzeit hatte es stark geschneit und geregnet. Wie die lokale Zeitung "Alto Adige" berichtet, habe die Untersuchung gezeigt, dass es Blut von Peter Neumair ist.

Was sagte Sohn Benno bei der Polizei aus?

Am Tag des Verschwindens seiner Eltern hat Benno Neumair seine Mutter gegen 18.30 Uhr zum letzten Mal zu Hause gesehen. Der Vater war auf eine Radtour gegangen. Benno sei dann weg gewesen und erst nach 20 Uhr nach Hause zurückgekehrt. Da seien seine Eltern nicht im Haus gewesen.

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Er habe seine Mutter einmal versucht anzurufen. Ihr Handy sei ausgeschaltet gewesen. Wenig später fuhr Benno zu seiner Freundin Martina, um dort zu übernachten.

Wie war die Beziehung zwischen Sohn und Eltern?

Angespannt, es habe immer wieder Streitigkeiten gegeben. Laut Angaben von Zeugen sollen Laura Perselli und Peter Neumair vom Sohn die Gebühren für sein Studium zurück verlangt haben.

Was ist der Verdacht der Ermittler?

Die Polizei glaubt, dass der Mörder Laura Perselli und Peter Neumair getötet und die Leichen in der Etsch entsorgt hat. In den Tagen rund um ihr Verschwinden hatte es intensiv geregnet, die Wassermassen hätten die Körper leicht wegschwemmen können. Für die Staatsanwaltschaft von Bozen gilt Sohn Benno Neumair als Hauptverdächtiger. Für ihn gilt jedoch weiter die Unschuldsvermutung.

Hat Benno Neumair ein Alibi?

An jenem Abend ist Benno nach Auer in Südtirol gefahren, zu seiner Freundin Martina, die er erst seit wenigen Wochen kannte. Er kam gegen 22.00 Uhr dort an. Doch bei der Rekonstruktion des Abends fehlen den Ermittlern rund 40 Minuten. Benno gab an, auf der Fahrt nach Auer angehalten zu haben. Wieso er sein Handy um 21.32 Uhr und 21.57 Uhr ausgeschaltet hat, ist nicht bekannt.

Nach seiner Ankunft in Martinas Wohnung hat Benno Neumair geduscht und frische Kleider angezogen. Martina hatte ihn angeboten, die getragenen Kleidungsstücke zu waschen, was Benno mit den Worten "wenn es nicht zu unverschämt ist" akzeptierte.

Was sagte Martina aus?

Die Freundin des Verdächtigen sagte, Bennos Kleider seien nass vom Schweiß gewesen. Darum habe sie sie gewaschen. Ihr Freund sei aber an jenem Abend nicht besonders nervös und unruhig gewesen. Die gewaschenen Kleider hat die Polizei beschlagnahmt wie auch ihr Handy. Zusammen mit Gegenständen, die die Ermittler aus dem Haus der Vermissten holten, werden sie von der Spurensicherung des RIS (Reparto Investigazioni Scientifiche) in Parma analysiert.

Was geschah danach?

Benno kehrte am frühen Morgen des nächsten Tages wieder heim. Um den Hund zu versorgen und mit ihm nach Ritten zu fahren, wo die Familie ein zweites Haus besitzt. Die Schlafzimmertür seiner Eltern sei geschlossen gewesen. Er habe vermutet, dass sie schlafen. Sorgen um sie machte er sich keine.

Wie "Corriere della Sera" berichtet, soll er Tage später im Laden einer Bekannten ein Fläschchen Wasserstoffperoxid gekauft haben. Dem Ladenbesitzerin erklärte er, dass er ein Lösungsmittel brauche, "um Blutflecken zu entfernen".

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