Ende einer Zweckehe: Er (61) sticht sie (28) beinahe tot

Bild: Denise Auer
Kemal K. hat seine junge Frau mit acht Stichen niedergemetzelt. Kein Mordversuch, meinten Laienrichter im September. Das Urteil wurde gekippt. Im neuen Prozess waren sieben Geschworene weiblich.
Laut seinem Staranwalt Rudolf Mayer ist Kemal K. (61) ein Bilderbuch-Zuwanderer: "1990 als Gastarbeiter gekommen, seither in Wien immer bei der gleichen Baufirma tätig, fleißig, integriert." Na ja. Der Türke spricht nach 27 Jahren nicht Deutsch. Trübender noch eine Attacke am 10. April 2016: Da rammte Kemal K. seiner Frau Sebiha ein Küchenmesser acht Mal in die Brust. Die Klinge drang bis zu 13 Zentimeter tief ein.

Als das blutende Opfer samt kleiner Tochter (4) durch ein Fenster flüchten konnte, stach sich der Mann drei Mal selbst in den Bauch – 1,5 Zentimeter tief. Die Vorgeschichte: Zwei Wochen nach dem Tod seiner ersten Gemahlin (sieben erwachsene Kinder) im Jahr 2012 arrangierte Witwer Kemal in der Osttürkei einen neuen Bund: Dort war Sebiha (28) mit einem Baby sitzengelassen worden. Sie wollte versorgt sein – und er nicht allein.

In Wien wurde die Zweckehe rasch zur Hölle. Der Gemahl entpuppte sich als krankhaft eifersüchtig. Immer öfter fand er Gründe, um zuzuschlagen, zuletzt drehte er mörderisch durch. Im ersten Prozess punktete der Angeklagte mit der Beteuerung, er habe in Rage nur verletzen wollen.

Diesmal aber nahm ihn das Schwurgericht in die Zange: Wenn er sich mit drei Ritzern selbst töten wollte, sollten Stiche bis in den Herzbeutel das Opfer nicht umbringen? Kemal K. wich heiklen Fragen aus, sagte nur: "Ich habe immer brav gearbeitet." Doch das befreit nicht von Schuld. Urteil diesmal: Mordversuch, 15 Jahre Haft (nicht rechtskräftig).
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